27. REGWA Symposium 2020

vom 4. - 6. November 2020


Bis zum 07.10.2020 ist der Aufruf für Beiträge oder Poster offen!

Informationen zum Aufruf

Bereits zum 27. Mal findet vom 4. bis 6. November 2020 das Energie-Symposium an der Hochschule Stralsund statt. Zahlreiche nationale und internationale Gastdozent*innen werden sich wieder mit konzertierten und spannenden Vorträgen am Symposium beteiligen und den Blick in die Zukunft schärfen. Interessierte können sich somit über die Möglichkeiten, Herausforderungen und Ziele der Energiewende informieren und mit Experten ins Gespräch kommen.

 

Wir erbitten Beitragsvorschläge bis zum 07. Oktober 2020 zu folgenden Themen:

  • Energienetze / Energieeinspeisung und Energiespeicherung
  • Energieeffizienz und Umweltschutz
  • Sektorenkopplung
  • Wasserstoff - Infrastruktur und Brennstoffzellenanwendungen
  • Maritime Anwendungen
  • Wärmemanagement
  • Windenergie onshore / offshore
  • Photovoltaik / Solarthermie
  • Hybridisierung von Antrieben und Energieversorgungssystemen
  • Gesetzliche Regelungen der Energiepolitik

 

Ihre Vorschläge für Vorträge und Poster schicken Sie uns bitte bis Mitte August mit folgenden Angaben:

  • Thema
  • Vortragender / Verfasser*innen
  • sowie eine kurze Zusammenfassung (max. 1/2 DIN A4-Seite)

 

Vorwort der Veranstalter

Der Stand der Dinge:

In China werden die bei weitem meisten Brennstoffzellen betriebenen PKWs und Busse gebaut und betrieben. Die staatliche Förderung für Batterie-elektrische Fahrzeuge wurde 2019 dort eingestellt, weil es als unwahrscheinlich angesehen wird, im ganzen Land eine Ladeinfrastruktur für diese Art der Mobilität zu schaffen. In Japan wird eine neue Fabrikation für den Brennstoffzellen-elektrischen Toyota „Mirai“ gebaut, um in absehbarer Zukunft die Wartezeit beim Kauf eines solchen Wagens auf ein halbes Jahr zu senken. Die Anschaffung von Brennstoffzellen-Hausheizsystemen wird seit zwei Jahren etwa schon nicht mehr gefördert, weil die Preise solcher Heizungen sich infolge der Absatzzahlen an die konventionellen Heizungen angeglichen haben. Der südkoreanische Hyundai-Konzern baut seit 2013 als weltweit erster Hersteller Brennstoffzellen-SUV in Serienproduktion und hat mit der Lieferung von 1600 Brennstoffzellen-LKW bis 2025 in die Schweiz begonnen.

In Deutschland brüten Bundesministerien und Bundesrat über dem Entwurf einer Nationalen Wasserstoff Strategie, wobei die norddeutschen Länder einschließlich Mecklenburg-Vorpommerns bereits im vorigen Jahr ein ihr Territorium betreffendes Vorläuferdokument erarbeitet hatten. Wir sehen, es geht voran in Richtung grünen Wasserstoffs, auch wenn im Prinzip bisher noch immer nur Absichten erklärt werden. Regelungen, die ermöglichen sollen, Herstellung und Einsatz von grünem Wasserstoff als Businesscase zu betreiben, liegen aber gewissermaßen in der Luft (z.B. „CO2-Steuer“). Grüner Wasserstoff gilt mittlerweile allgemein als unabdingbar für die Nutzung regenerativer Energie. Er wird als Speichermedium für nicht verbrauchsgerecht produzierten grünen Strom benötigt. Er wird dessen Vergleichmäßigung ermöglichen und damit das Vorhalten konventionell befeuerter (Regelleistungs-)Kraftwerke unnötig machen und die unsägliche Abschaltepraxis für Wind- und Photovoltaikanlagen beenden. Zugleich stände materialisierter Strom als Kraftstoff zur Verfügung wie auch zum Ersatz von auf fossiler Basis hergestelltem Wasserstoff für die Produktion von Kohlen-Wasserstoff-Materialien aller Art. Direkt eingesetzt oder dem Erdgas beigemischt beginnt grüner Wasserstoff auch den Wärmemarkt zu dekarbonisieren. Im Blickfeld zur Nutzung des sauberen Energieträgers stehen schließlich solche für die Wirtschaft fundamentale Produktionen wie die Stahlherstellung.

All dies bedeutet, es haben sich neue Perspektiven für das Verhältnis von Menschen und Natur aufgetan, neue Dimensionen für endlich Nachhaltigkeit in Technik und Produktion. Längst ist dabei deutlich geworden, wir wenigen Deutschen werden Klimaänderungen nur marginal beeinflussen. Wohl aber können wir ein Beispiel geben und wir müssen uns um die Chance bemühen, von dem Export der notwendigen Maschinerie (Elektrolyseure, Brennstoffzellen, Speichertechnologie) zu leben. Bei all dem ist auch klar geworden, dass in Deutschland viel mehr grüne Energie gebraucht werden wird, als im Lande hergestellt werden kann.

 

Beiträge des REGWA – Symposiums

Diese aufgezeigten Probleme und Zusammenhänge wurden und werden seit nunmehr fast dreißig Jahren auf dem Stralsunder Energiesymposium dargelegt und diskutiert. Anerkennend titelt die Zeitschrift „HZwei“ in ihrer Januarausgabe „In Stralsund wurde Wasserstoffgeschichte geschrieben.“ und meint damit nicht nur die wissenschaftliche Konferenz. Aber gerade auf dieser verkündete der österreichisch / argentinische Vordenker der Windenergiebranche Erico Spinadel bereits 1995, dass das wind- und wasserreiche Patagonien das Kuwait des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden würde. Diese Voraussage, die grünen Wasserstoff einbezieht, unterscheidet sich von der Idee Ludwig Bölkows, der schon vor mehr als vierzig Jahren von photovoltaischer Stromerzeugung für Europa in Nordafrika sprach und an ein Leitungssystem dachte. Dem Vernehmen nach gibt es hinsichtlich Patagoniens mittlerweile bereits Verhandlungen zwischen Argentinien und Japan.

Ebenfalls auf dem Stralsunder Energiesymposium wurde 2004 von Sandlaß/Wenske/Machens die Vorstellung beschrieben, vor Deutschlands Küsten die Windkraft zur Stromerzeugung zu nutzen und direkt an den Windparks Elektrolyse zu betreiben, denn Wasserstofftransport wäre jedenfalls billiger als Seekabel. Diese Idee ist nun für ein Projekt vor Warnemünde aufgegriffen worden. (Ein Reprint der betreffenden Veröffentlichung wird für den diesjährigen Tagungsband des Symposiums vorgesehen.)

Eine weitere Idee ist eng mit der Stralsunder Konferenz verbunden: 2007 zeigten Crotogino und Hamelmann eindrucksvoll, dass nur mittels des Energieträgers Wasserstoff die Stabilisierung eines mit volatilem Strom betriebenen Netzes gelingen kann, wenn denn nicht auf konservativ betriebene Kraftwerke für die Regelleistung zurückgegriffen werden soll. Alle anderen sauberen Speichermöglichkeiten reichen hinsichtlich ihrer Speicherkapazität nicht aus. Mit dieser Arbeit wurde die Diskussion eröffnet, dass grüner Wasserstoff zur Sektorenkopplung für die gesamte Energiewirtschaft taugt und somit eine erfolgreiche Energiewende ermöglichen kann.

 

Was wird das 27. Symposium bringen?

Die Region Nordvorpommern-Rügen ist als eine von neun Regionen durch die NOW ausgewählt worden, innerhalb des HyStart-Programms dafür unterstützt und gefördert zu werden, für das Territorium Projektvorschläge für die Einführung grünen Wasserstoffs zu entwickeln. Vielleicht könnten wir uns in diesem Zusammenhang an dem „Wind im Tank“ – Projekt für die Westküste von Schleswig-Holstein orientieren, das auf der vorjährigen REGWA-Tagung durch GPJoule vorgestellt wurde. Denn wenigstens eins ist an diesem Vorhaben interessant: Solange Innovation wegen nachhinkender Regulierung gehemmt wird, kann man bahnbrechende Projekte an veralteten Regeln vorbei lenken. Vielleicht könnte in diesem Zusammenhang auch an frühere großzügig geförderte Projekte angeknüpft werden: Immerhin existiert im Klärwerk Barth seit 2003 eine H2-Tankstelle mit Elektrolyseur vor dem Hintergrund der Nutzung regenerativer Energie, es wird mittlerweile aber nur der Sauerstoff für die Betreibung des Klärwerks verwendet. Immerhin ist der 2006 übergebene „Pommernbus“ mit Brennstoffzelle, ein Produkt eines Stralsunder Unternehmens, durchaus noch in einem Zustand, der ein „Aufmöbeln“ und die erneute Inbetriebnahme erlauben sollte.

Zumindest an diesen Stellen bestehen Diskussionsbedarf und die Notwendigkeit, dass sich Projektpartner zusammenfinden.

 

Vorträge sind zu folgenden Schwerpunktthemen geplant:

Wird die Verknüpfung mit grünem Wasserstoff der Windindustrie unseres Landes wieder aufhelfen, nachdem sie auch durch politische Fehlentscheidungen in Schwierigkeiten gekommen ist? Wird sich die deutsche Automobilindustrie der Brennstoffzelle vorbehaltlos zuwenden und damit Auftrieb gewinnen? Weitet sich die Energiewende mittels grünen Wasserstoffs zur generellen Wende zu Nachhaltigkeit bei Produkten und Produktionen aus?

Der Gesamtkatalog der Themen zu den gewünschten Beiträgen des 27. Stralsunder Energiesymposiums finden Sie unter Informationen zum Aufruf.

Die Veranstalter, die Hochschule Stralsund und die Wasserstoff-Technologie-Initiative MV e.V., freuen sich auf eine rege Beteiligung, interessante Vorträge und spannende Diskussionen.  Wir treffen uns in kollegialer Atmosphäre und werden Erfahrungen austauschen. Wie immer. Oder auch nicht nach dem Muster wie in den vergangenen Jahren. Während dieser Aufruf Anfang März dieses Jahres verfasst wurde, hat sich inzwischen ein Thema über alles und in den Vordergrund geschoben: Corona. Entsprechend den Entwicklungen werden wir Gestaltung und Verlauf der Konferenz den im November vorliegenden Bedingungen anpassen. Es wird wohl ein aus Präsenzveranstaltungen und im Netz verfolgbaren Beiträgen zu planendem Symposium werden. Immerhin konnten die Veranstalter diese Methode im Verlauf des Frühjahrssemesters 2020 in der Lehre der Hochschule Stralsund trainieren. Wir werden darüber auf der Konferenz-Webseite rechtzeitig informieren.

Gleichwohl aber stellt die Pandemie ein bemerkenswertes Beispiel für Inhalt und Anliegen der REGWA-Tagung dar: Selbst seitens der USA wird eingeräumt, dass die WHO am Anfang des Jahres 2020 offiziell und unter Nutzung der üblichen Informationskanäle vor der Möglichkeit eines Corona-Ausbruchs gewarnt hatte. Allerdings hat das so gut wie keiner der verantwortlichen Politiker wahrgenommen bzw. wahrhaben wollen oder nicht begreifen können. Die Welt ist hineingeschlittert und wird mit den Konsequenzen noch lange Jahre konfrontiert sein. Das hatten wir doch schon einmal! Mitte der Siebzigerjahre hat eine Gruppe verantwortungsbewusster Wissenschaftler, der Club of Rome, in einer höchst bemerkenswerten Denkschrift mit dem Titel „Grenzen des Wachstums“ der Menschheit den Spiegel vorgehalten. Es wurde vor den bereits damals deutlich spürbaren Folgen einer immer wieder erweiterten und keineswegs nachhaltig betriebenen Produktion von Industrie und Landwirtschaft gewarnt, vor einer mehr als linear steigenden Weltbevölkerung und den immer maßloseren Ansprüchen an das Wohlstandsniveau in den entwickelten Ländern. Aus diesen Erkenntnissen hat sich zwar die erfolgreiche Diskussion um die Nachhaltigkeit der menschlichen Aktivitäten ergeben und namentlich in Europa wurden Maßnahmen ergriffen und Änderungen erreicht. Aber wer könnte behaupten, dass dies ausreichend wäre? Allein die Probleme um Akzeptanz und Realisierung des Beschlusses der Pariser Klimakonferenz stellen ein Dilemma dar. Und die Eiskappe am Nordpol schmilzt dahin… Die messbare Erhöhung der mittleren Temperatur der Atmosphäre, der steigende Meeresspiegel und die steigende Wassertemperatur in den Ozeanen zeigen schon jetzt in Richtung von Dürre und Überflutungen, von Trinkwasserproblemen und Veränderung von Flora und Fauna und damit auch erschwerte Schaffung von Nahrungsmitteln. Wie werden wir mit dadurch verursachten Migrationen umgehen? Schlittern wir hier ebenfalls in etwas hinein und fragen erst hinterher, wie es wohl gekommen ist?

Genau an dieser Stelle sehen die Veranstalter auch eine Verantwortlichkeit solcher Konferenzen wie REGWA. So wie die Hochschule Jahr für Jahr Absolventen entlässt, die sich in grünen Projekten engagieren, ist die wissenschaftliche Veranstaltung dafür verantwortlich, dass immer wieder Wege vorgezeichnet werden, wie die Nachhaltigkeit in der Produktion schließlich erreicht werden kann.  Dabei werden wir wohl alle einen Gang zulegen müssen.

 

Johannes Gulden, Thomas Luschtinetz und Jochen Lehmann

Downloadbereich

Ostsee Zeitung 2017:

Die OSTSEE-ZEITUNG war beim 24. REGWA Energie-Symposiums vor Ort und berichtete in einem Artikel über die drei Konferenztage an der Hochschule Stralsund.

 

 

REGWA Programme/Tagungsbände

Kontakt

 

Interessenten, Vortragende und Aussteller wenden sich bitte an:

Online Anmeldung

per E-Mail:  regwa@hochschule-stralsund.de
per Fax: +49 3831 45 6729

oder auf dem Postweg an: Hochschule Stralsund, IRES - Institut für Regenerative EnergieSysteme, Zur Schwedenschanze 15, D-18435 Stralsund

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing.
Thomas Luschtinetz

Tel:

+49 3831 45 6583

Raum:

210a, Haus 4

Liane Voss

Projektmitarbeiterin

Tel:

+49 3831 45 7072

Raum:

114, Haus 7

Claudia Busch

Veranstaltungsmanagement

Tel:

+49 3831 45 6963

Raum:

240, Haus 1