Best-Practice: So funktioniert KarriereStartMentoring

Wie ein Windturbinenhersteller Studentinnen voranbringt und selbst vom Austausch profitiert.

Foto: Nordex | Christine Meyer mit ihrem Mentor Jens Reppe

Im vergangenen Jahr haben fünf Studentinnen der Hochschule Stralsund sowie eine Studentin der Hochschule Wismar am Mentoring-Programm des Projektes KarriereStartMentoring, dem Verbundprojekt der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern, beim Windturbinenhersteller Nordex, bei der Nordex Energy SE & Co. KG in Rostock, teilgenommen. KarriereStartMentoring fördert Studentinnen in der Studien-Abschlussphase und bereitet sie auf einen beruflichen Einstieg in Richtung Führungspositionen vor.


Vom Finden des Jobs bis zur Vereinbarkeit

Das Erstellen der Abschlussarbeit, das richtige Bewerben, das Suchen und Finden eines wirklich passenden Jobs sowie die Herausforderungen einer Führungskraft – das waren Themen, die die jungen Frauen gemeinsam mit ihren Mentor*innen besprechen konnten, ganz offen und aus der Sicht eines/r Praktiker*in. Diesen persönlichen Austausch schätzten alle Studentinnen. „In unserer Mentoring-Beziehung gibt es keine dummen Fragen. Ich kann mit meinem Mentor über alle Themen offen reden und habe am Ende hilfreiche Antworten oder Anregungen bekommen“, sagt zum Beispiel Christine Meyer, Bachelor-Studentin Regenerative Energien.

„Viel Berufs- und Führungserfahrung, trotzdem offen und locker“, so charakterisiert Lisa Kästel, Masterstudentin Maschinenbau, die Stärke ihres Mentors, Dirk Austinat, Director Blades Germany. Angela Seibert, Bachelor-Studentin Maschinenbau schätzte an ihrer Mentorin, Steffi Jürges, „dass sie auch unbequeme Dinge anspricht, ehrlich ist“. Beim Mentoring wurden auch Themen wie die Vereinbarkeit von Familie beziehungsweise Privatem und Beruf besprochen, Herausforderungen und Optionen herausgestellt.


Einblicke in die Fertigung und das Bestehen im Vorstellungsgespräch

Zudem spielten beim Mentoring bei Nordex ganz praktische betriebliche Abläufe und fachbezogene Themen rund um den Arbeitsalltag eines Ingenieurs eine Rolle. „Ich habe einen guten Einblick in das Thema Shopfloor Management [Gesamtheit der Leitungs- und Führungsaufgaben einer Fertigung] bekommen und konnte einige Shopfloor Meetings begleiten“, führt Rebecca Scharnberg, Masterstudentin Wirtschaftsingenieurwesen, exemplarisch an. Sie zieht eine sehr positive Bilanz aus dem Programm mit ihrem Mentor Jan Dreyer, Head of Production Rotor Blades: „Ich schätze sehr, dass er mir detailliert von seinen bisherigen Erfahrungen im Berufsleben und insbesondere seinem Umgang mit Schwierigkeiten und Problemen erzählt. Ich bin mir sicher, dass ich daraus sehr viel für mein eigenes Berufsleben mitnehmen kann.“  Ein Highlight für die Mentees waren die fiktiven Vorstellungsgespräche, die sie durchlaufen konnten. Die Studentinnen bekamen detailliertes Feedback zu ihrem Auftreten als Basis für spätere Jobbewerbungen. 


Von der Motivation, andere voranzubringen

Doch nicht nur die Studentinnen profitierten vom Nordex-Mentoring, auch ihre Mentor*innen nutzten die Option. „Ich habe einen Menschen kennengelernt, dem ich viele Erfahrungen weitergeben konnte“, bilanziert Jan Dreyer. „Ich teile grundsätzlich gern mein Wissen und motiviere mich darüber, wenn andere sich persönlich entwickeln.“ Er freue sich, seine Mentee, Rebecca Scharnberg, in seinem Netzwerk zu haben.

„Durch die Gespräche, Fragen und Diskussionen erhalte ich neue Perspektiven, die ich in meinem Alltag nutzen kann“, zieht Jens Reppe, Projektingenieur in der Instandhaltung, eine ganz ähnliche Bilanz. Seine Mentee, Christine Meyer, bleibt ihm sogar als Praktikantin erhalten – eine Win-Win-Situation.


Reflektion und neue Wertschätzung

Als Personalentwicklungsinstrument für Führungskräfte wird Mentoring in immer mehr Unternehmen eingesetzt, da ganz nebenbei durch die Gespräche der eigene Karriereweg reflektiert und neu gewertschätzt wird. „Ich selbst hätte mich damals auch über solch ein Programm gefreut, das Studierenden durch direkten Kontakt mit Absolvent*innen einen Einblick in die Berufswelt zeigt“, sagt Prozessingenieurin Steffi Jürges, die Angela Seibert als Mentee hatte. Dirk Austinat, Director Blades Germany, stand Lisa Kästel zur Seite. Er ist selbst ein ehemaliger Student der HOST und nahm am Mentoring durch seinen persönlichen Bezug zur Hochschule teil. Seine Bilanz: Es braucht Zeit, persönlichen Kontakt für intensivere Gespräche und die Definition der Aufgaben und Erwartungen beider Parteien, um eine gute Zusammenarbeit im Tandem zu gewährleisten.

Unterm Strich: Eine Erfolgsgeschichte, die nach Fortsetzung ruft. Die Mentees planen teilweise schon jetzt, später selbst Mentor*innen zu werden.
 

KarriereStartMentoring M-V an der HOST

Prof. Dr. Claudia Danker verantwortet das Projekt an der HOST, Projektmanagerin ist Sabine Petters. Ein jährliches Mentoring-Programm für Studentinnen in der Abschlussphase gibt es an der Hochschule Stralsund seit 2014, das Projekt in dieser Form als KarriereStartMentoring seit 2016. Es wird mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) gefördert, ausgereicht von Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und vom Landesamt für Gesundheit und Soziales unterstützt. Es hat zum Ziel, die Anzahl von Frauen in Führungspositionen und somit die Chancengleichheit zu erhöhen.

Weiterlesen: 

Mentoring-Erfolge in Zahlen
Studentin trifft Mentor*in – Wie der Karriere-Start gelingt

Gesamtüberblick: 

www.karrierestartmentoring.hochschule-stralsund.de