Studium

Frankreich - Montpellier Business School (MBS)

Mein Auslandssemester in Frankreich? Holy crêpe it was amazing!

Nina N., Leisure & Tourism Management, 5. und 6. Semester, Montpellier Business School, September 2018 – Mai 2019

Zuerst stellt sich natürlich die Frage: Warum ausgerechnet Frankreich? Von Studiums Beginn an hatte mich die Möglichkeit einen Doppelabschluss zu machen gereizt. An der Montpellier Business School kann man einen Bachelor of International Business Administration machen, was meiner Meinung nach eine sehr gute Ergänzung zum Leisure & Tourism Management Studium in Stralsund ist. Da ich zudem bereits Auslandsaufenthalte in Englisch- und Spanischsprachigen Ländern hinter mir hatte, wollte ich außerdem auch gern ein neues Land kennenlernen und neue Sprache lernen. So fiel meine Wahl dann auf Frankreich. Weitere positive Aspekte waren natürlich auch das mediterrane Klima Südfrankreichs und die wunderschöne Natur in dieser Region, die ich schon seit längerer Zeit genauer kennenlernen wollte.

Anfang September bin ich dann in Montpellier angekommen und war von Anfang an von der Stadt begeistert: Mit Ihren knapp 300.000 Einwohnern ist die Stadt weder zu groß noch zu klein, hat eine wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen Läden, Cafés, Restaurants und Bars, in der eigentlich nichts zu weit entfernt ist um es bequem zu Fuß zu erreichen. Vor allem auf dem zentralen Place de la Comédie ist immer was los, es gibt viele Straßenkünstler und die Fontäne in der Mitte des Platzes ist ein beliebter Treffpunkt. Es gibt auch mehrere Parks in denen man das schöne Wetter genießen, picknicken oder ganz typisch französisch Pétanque/Boule spielen kann. Und dann gibt es natürlich noch den Strand, der in ca. 40min mit der Tram zu erreichen ist. Das tolle an Stadt und Strand ist, das keins von beiden mit Touristen überfüllt ist. Außerdem ist Montpellier eine der jüngsten Städte Frankreichs, was vor allem an den vielen Unis dort liegt. So gibt es auch viele Freizeitangebote und Veranstaltungen, gerade für jüngere Leute und Studenten, und ein vielseitiges Nachtleben. In jedem Fall würde ich empfehlen sich eine Unterkunft im Stadtzentrum oder Zentrumsnah zu suchen, obwohl die Montpellier Business School etwas außerhalb liegt (ca. 5km vom Stadtzentrum entfernt). Die Gegend in Uni Nähe ist nämlich nicht besonders schön, die Trams hören auch relativ früh nachts auf zu fahren und man kann einfach wesentlich besser die tolle Atmosphäre Montpelliers und die Französische Kultur erleben, wenn man in der Stadt wohnt.

Montpellier ist außerdem ein toller Ausgangspunkt um Südfrankreich kennenzulernen. Ich habe viele Wochenendtrips in naheliegende Städte wie Marseille, Toulouse, Lyon, Nizza oder Monaco gemacht. Es gibt auch viele interessante Ziele für Tagesausflüge in kleinere Orte oder in die Natur wie zum Beispiel die berühmte Burg Carcassonne, die Stierkampfarena in Nîmes, den Ort Aigues-Mortes mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer, wild lebenden Flamingos und einem rosagefärbten Salzsee, das Fischerdorf Séte, die Wasserfälle Cascade de la Vis oder die Pont du Diable (Teufelsbrücke), die über eine eindrucksvolle Schlucht des Flusses Hérault führt. Mein persönlicher Lieblingsort war der Nationalpark Les Calanques neben Marseille.

Doch nun zum Uni-Leben. Die Montpellier Business School ist eine renommierte, private Hochschule, die in ganz Frankreich sehr bekannt ist. In einigen Aspekten ist das Studium hier strenger als in Deutschland. Es herrscht zum Beispiel Anwesenheitspflicht und Pünktlichkeit ist auch wesentlich wichtiger: In den großen Vorlesungssälen wird die Anwesenheit elektronisch mit dem Studentenausweis erfasst und wer mehr als 10 Minuten zu spät kommt, wird als abwesend eingetragen. Manche Profs schließen sogar drei Minuten nach Vorlesungsbeginn den Raum ab, sodass verspätete Studenten nicht mehr reinkommen (ansonsten sind die aber meistens ziemlich nett und hilfsbereit). Ein großer Unterschied war auch, dass der Stundenplan jede Woche anders war, was den Alltag zwar abwechslungsreich gemacht hat, aber manchmal auch anstrengend war, da es oft kurzfristige Änderungen oder Ausfälle gab und die Freizeitplanung manchmal auch nur eher spontan möglich war. Außerdem besteht die Note, die man für einen Kurs bekommt, nicht nur, wie meistens bei uns, aus der Note von einer Prüfungsleistung, sondern aus vielen verschiedenen Teilen wie Anwesenheit, Unterrichtsbeteiligung oder Gruppenarbeiten. Ob man dieses System jetzt besser oder schlechter findet, ist wohl vom jeweiligen Lerntyp abhängig. Wir bekamen dadurch auch öfter benotete „Hausaufgaben“ oder es mussten online Tests absolviert werden, die dann auch mit in die Note eingeflossen sind. Das erste Semester war für mich persönlich dadurch relativ stressig, da ich viele Vorlesungen und 2-3 Mal wöchentlich abends einen Französischkurs hatte (auch mit Anwesenheitspflicht) und dann nach oft über 9 oder 10 Stunden in der Uni noch zu Hause Online-Assignments machen musste. Das zweite Semester war jedoch das genaue Gegenteil: Der Französischkurs war vorbei, ich hatte wesentlich weniger Vorlesungen und oft auch 2 freie Tage pro Woche, von daher war das dann auch alles nur halb so schlimm. 

Besonders toll fand ich die wirklich extrem internationalen Kurse. Zu Beginn jedes Semesters wurde man in eine Gruppe von ca. 60 Studenten eingeteilt mit denen man praktisch alle Vorlesungen zusammen hatte. Da die meisten internationales Studenten den Bachelor auf Englisch machen müssen oder wollen, bestehen diese Kurs-Gruppen zu 90% aus Austauschstudenten. Gerade die vielen Gruppenarbeiten waren deshalb sehr interessant, weil so oft ganz neue Ideen oder Arbeitsweisen entstanden sind. Nicht nur im Uni-Alltag war dieser Internationale Mix toll, sondern natürlich auch in der Freizeit und im Freundeskreis. Ich habe Leute aus allen möglichen europäischen Ländern, aber auch viele Südamerikaner und Asiaten kennengelernt. Da meine besten Freunde aus Mexiko kamen, habe ich während der beiden Semester nicht nur viel über Wein, Käse und Baguettes gelernt, sondern kann nun auch perfekte Tacos zubereiten, ganz schön viel Chili essen und weiß was einen guten Tequila ausmacht.

Zur Französischen Kultur bzw. zum alltäglichen Leben in Montpellier gibt es natürlich auch ein paar Besonderheiten zu erwähnen. Zu allererst: Es ist kein Vorurteil, dass viele Franzosen nicht Englisch sprechen (wollen) und oft auch um einiges unfreundlicher werden wenn man sie so anspricht. Das ist aber natürlich ganz praktisch wenn man sein Französisch verbessern möchte. Es gibt auch sehr viel guten Wein und Käse. Supermärkte sind im Allgemeinen allerdings wesentlich teurer als in Deutschland. Dafür gibt es aber ein monatliches Wohngeld von ca. 80-150€. Behördengänge waren in den meisten Fällen sehr frustrierend und man hatte manchmal schon das Gefühl dass es den Beamten dort Spaß macht, Leute mit widersprüchlichen Informationen von A nach B zu schicken. Und wirklich jeden Samstag waren die Gilets Jaunes (Gelbwesten) in der Stadt unterwegs, außerdem an Feiertagen und manchmal einfach so. An sich ist dabei nichts wirklich passiert, man musste nur ein bisschen Aufpassen, da die Polizei nicht mit Tränengas gespart hat (und ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen dass das nicht besonders angenehm ist). Aber an sich hat mir die Atmosphäre in Montpellier und das Leben dort sehr gefallen und es war spannend die französische Kultur hautnah mit all ihren Eigenheiten kennenzulernen.

Mein Fazit: Jedem, der darüber nachdenkt sein(e) Auslandsemester in Montpellier zu machen, kann ich das nur empfehlen! Es ist eine tolle Studentenstadt mit vielen Freizeit- und Reisemöglichkeiten. Südfrankreich ist wunderschön und das Wetter ist auch fast das ganze Jahr über sehr gut. Man hat die Möglichkeit eine Fremdsprache zu verbessern, die Französische Kultur zu erleben und ein anderes Uni-System als in Deutschland kennenzulernen. Ich fand es faszinierend so viele Leute aus so unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen und bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich während dieser Zeit gemacht habe und vor allem für die neuen Freundschaften, die bestimmt auch noch in der Zeit nach dem Auslandsaufendhalt bestehen bleibt.