Kurzzeitmobilitäten

Erfahrungsbericht

 

David L., Unternehmenssteuerrecht, Università degli Studi di Sassari (Italien), 21.–25.09.2026 (virtuelle Komponente mit Online-Session am 15.09.2026)

 

Ein Steuerrechtler am Meer: Wie mich fünf Tage Sardinien über Tourismus, Seegras und Teamarbeit neu denken ließen

 

Hinweise zur Programmsuche und Bewerbung

Die Hochschule Stralsund ist Teil von EUNICoast, einer europäischen Hochschulallianz aus zwölf Universitäten an Inseln, Häfen und Küsten. Die Allianz bietet regelmäßig kurze, intensive Formate an – das erste Student Festival in Sassari war so eines. Mein Tipp: Ausschreibungen des International Office und von EUNICoast aktiv verfolgen, denn solche Kurzzeitmobilitäten passen auch in einen vollen Master- und Berufsalltag. Nach der Zusage (Letter of Acceptance im Juli) folgten Learning Agreement (3 ECTS, automatische Anerkennung) und Grant Agreement. Die Abstimmung mit dem Outgoing Office lief unkompliziert; man sollte die Unterlagen aber früh einreichen, da die erste Förderrate erst nach Unterzeichnung bzw. Ankunftsbestätigung ausgezahlt wird.

 

Vorbereitung und Anreise

Der Auftakt war eine Online-Session am 15. September: Vorstellung der Allianz, des Programms und der vier Hackathons sowie die Einteilung in Teams. Für jeden Hackathon gab es eine eigene WhatsApp-Gruppe, sodass man seine Teammitglieder schon vor der Ankunft kennenlernte. Ich bin nach Olbia geflogen und von dort mit Bus bzw. Bahn weiter nach Sassari (ca. 100 km). Wer flexibel ist, sollte Alghero prüfen: Der Flughafen liegt nur rund 35 km entfernt, und der ARST-Bus braucht etwa 30 Minuten.

 

Unterkunft

Für Teilnehmende standen Zimmer in zwei ERSU-Studierendenwohnheimen bereit (35 € pro Nacht im Doppel-, 45 € im Einzelzimmer, ohne Küche und ohne Verpflegung, nur vom 20. bis 26.09. buchbar). Ich habe mich für eine private Unterkunft entschieden, was mir mehr Flexibilität bei An- und Abreise gab. Die Innenstadt ist kompakt, die meisten Veranstaltungsorte liegen fußläufig beieinander – zentral zu wohnen lohnt sich daher.

 

Studium: Vorlesungen und Hackathon „Heritage & Waves“

Das Programm verband Fachvorträge mit Teamarbeit. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Vorlesung zu Design Thinking für Küsten- und Inselregionen (Universität der Azoren), der Vortrag über Schutz und Wiederherstellung von Seegraswiesen sowie eine Einheit zur Arbeit mit echten Meeresdaten. Kern der Woche war für mich der Hackathon „Heritage & Waves“. In einem internationalen Team entwickelten wir das Konzept einer gemeinnützigen Plattform für Mallorca unter dem Motto „Mallorca – A beauty to value“: Auf einer Insel mit rund 958.000 Einwohnern und 13,4 Millionen Gästen pro Jahr sollen junge Besucher einen „bedeutungsvollen Tag“ planen können – mit geprüften Routen, Geschichten von Einheimischen, kreativen Aktivitäten und klaren Hinweisen zum Schutz der Posidonia. Als Steuerrechtler war für mich spannend, wie stark Fragen der Organisationsform, der Gemeinnützigkeit und der Rollen von Besuchern, lokalen Partnern und Behörden die Tragfähigkeit einer Idee bestimmen. Am Ende stand die Abschlusspräsentation unseres Konzepts vor allen Teilnehmenden.

 

Kultur, Alltag und Freizeit

Sassari ist die zweitgrößte Stadt Sardiniens und deutlich weniger touristisch als die Küstenorte. Die Altstadt mit ihren ockerfarbenen Häusern und der barocken Fassade des Doms San Nicola, die prachtvoll ausgemalten Säle der Universität und das entspannte Tempo haben mich sofort eingenommen. Das Rahmenprogramm führte uns zu den Zeugnissen der Nuraghenkultur (Nuraghe Palmavera), in den Naturpark Porto Conte und an die Strände der Umgebung. Die Sonnenuntergänge am Meer gehören zu den schönsten Momenten der Reise. Abends traf sich die Gruppe in der Stadt – aus Teamkollegen wurden schnell Freunde aus ganz Europa. Günstig isst man in der Mensa (Festival-Paket mit sechs Mahlzeiten für 22,80 €); für typisch sardisches Essen lohnen sich die kleinen Lokale in der Altstadt.

 

Sprache

Arbeitssprache war durchgehend Englisch; ein solides B2-Niveau reicht völlig aus. Ein paar Worte Italienisch öffnen im Alltag – in Bars, Bussen und Geschäften – dennoch viele Türen.

 

Infrastruktur, Tipps & Tricks

Busfahrkarten der ATP gibt es nicht im Bus, sondern am Kiosk in der Via Tavolara oder über die ATP-App, die auch Echtzeit-Abfahrten anzeigt (90 Minuten 1,30 €, Wochenkarte 12 €). Leitungswasser ist in Sassari nicht trinkbar, eine wiederbefüllbare Flasche ist deshalb sinnvoll. Ausweis immer dabeihaben – das ist in Italien Pflicht. Ganz wichtig: Sand, Steine oder Muscheln von Stränden mitzunehmen ist verboten und wird mit 500 bis 3.000 € Bußgeld geahndet. Ins Gepäck gehören Badesachen, feste Schuhe für Exkursionen und eine leichte Jacke für die Abende.

 

Fazit

Fünf Tage klingen kurz, waren aber eine der intensivsten Wochen meines Studiums. Ich habe gelernt, eine Idee in kurzer Zeit mit Menschen aus anderen Ländern und Fachrichtungen von der Problemanalyse bis zum Pitch zu entwickeln – und dass mein juristischer Blick auf Strukturen und Rahmenbedingungen auch jenseits des Steuerrechts gefragt ist. Hinzu kommen ein europäisches Netzwerk und Eindrücke von einer Insel, die ich ohne das Festival so nie kennengelernt hätte. Ich kann jedem empfehlen, eine Kurzzeitmobilität im Rahmen von EUNICoast mitzunehmen – gerade dann, wenn ein ganzes Auslandssemester nicht in den Lebenslauf passt.