Kurzzeitmobilitäten

Erfahrungsbericht

Joel H., Wirtschaftsingenieurwesen, Summer School,Université Le Havre Normandie (Frankreich), 15.06.2026 – 19.06.2026

 

Summer School “Ports of the Future”

 

Ich durfte im Juni im Rahmen einer Summer School für eine Woche nach Le Havre in Nordfrankreich fahren und dort die Universität besuchen. Thema war „ports of the future“, also die Häfen der Zukunft. Dabei sollte das Thema aus möglichst vielen Perspektiven beleuchtet und auf die aktuellen Entwicklungen und Problemstellungen im Bereich der Maritimen Wirtschaft eingegangen werden.

Ich war Teil einer in jeder Hinsicht sehr diversen Gruppe von rund 30 Teilnehmenden aus über 13 Ländern. Viele kamen von europäischen Hochschulen, aber es waren auch Studenten aus beispielsweise den USA, der Karibik oder Vietnam dabei. Wir alle haben verschiedene akademische Hintergründe vorzuweisen, es waren Studenten aus unterschiedlichsten Fachrichtungen dabei – von Politikwissenschaften über Finance bis zu den Ingenieurswissenschaften. Da wir alle gemeinsam in einem Hotel untergebracht waren und es zu Begin der Woche einige Kennlernveranstaltungen gab, hat sich schnell eine angenehme Gruppendynamik entwickelt, welche zum einen für mehr Spaß an der Arbeit gesorgt hat, aber zum anderen auch jedem das Gefühl gegeben hat seine Ansichten und Meinungen teilen zu dürfen.

Neben einigen sehr interessanten Vorträgen von verschiedenen Professoren oder Experten aus der Industrie, teilweise auch aus dem Ausland, haben wir nachmittags täglich auch an einer Exkursion teilnehmen dürfen. Besonders im Kopf geblieben ist mir ein Vortrag zur Geopolitischen Perspektive auf Häfen und ihre historische Bedeutung, welche auch heute und in Zukunft nicht weniger wird. Prof. Juri aus Slowenien hat dabei sehr eindrücklich gezeigt, wie auch die heutigen Konflikte im Zusammenhang mit Häfen stehen und welche konkrete Bedeutung diesen darin zukommt. Auch einen Ausblick wie die Zukunft aus geopolitischer Sicht aussieht hat er präsentiert. Sehr interessant war für mich auch der Besuch im Containerhafen in Le Havre. Dabei konnten wir nicht nur die Dimensionen und Abläufe mit eigenen Augen sehen, sondern vor allem auch mit zwei sogenannten „Dockeur“ sprechen. Dies sind die Arbeiter im Hafen von Le Havre, welche mit viel Stolz ihrer Arbeit nachgehen und dabei sehr traditionsbewusst sind. Im Grunde genommen handelt es sich nämlich ein Familienunternehmen, da nur die Söhne von anderen „Dockeur“ auch welche werden dürfen. Frauen dürfen bis heute nicht im Hafen arbeiten. Neben dieser interessanten, wenn auch etwas aus der Zeit gefallen wirkenden, Tradition konnten wir auch viele Weitere Fragen stellen. Besonders die Abläufe im Hafen und ihre Sicht auf Digitalisierung, Automatisierung und im Allgemeinen die Weiterentwicklung der Häfen hat mich sehr interessiert und teils auch überrascht.

Aufgrund des Programmaufbaus gab es auch zusätzlich zu den Inhalten viele Möglichkeiten, um Stadt und Umgebung zu entdecken. Dazu gehörte beispielsweise ein Stadtrundgang wo wir viel über die Geschichte Le Havres und zur Architektur lernen konnten, für welche die Stadt bekannt ist. Generell war ein großer Teil der Erfahrung vor Ort durch den internationalen Austausch mit den anderen Studierenden und die gemeinsamen Unternehmungen am Nachmittag und Abend geprägt.

Insgesamt hat mir die Zeit in Le Havre sehr gut gefallen. Auch wenn ich mir inhaltlich noch etwas mehr erwartet hätte, konnte ich viele Interessante Aspekte mitnehmen, welche mich auch in der weiteren Ausrichtung meines Studiums beeinflussen werden. Generell ist der Bereich der Containerhäfen als mögliche Arbeitsbranche vorher nicht innerhalb meines Horizonts gewesen. Jetzt finde ich diese hochinteressant. Der Soziale Aspekt des Programms und der Austausch mit Studierenden mit so vielen verschiedenen kulturellen sowie akademischen Hintergründen war ebenso eine echte Bereicherung. Ich bin sehr glücklich darüber diese Möglichkeit bekommen zu haben.