Bauteile aus dem 3D-Druck sind im Automobil- und Werkzeugbau längst keine Seltenheit mehr. Auch in der Medizintechnik halten sie Einzug. Aber in der Medizin – für Implantate im menschlichen Körper? Ja. Gerade bei Implantaten eröffnet die additive Fertigung Möglichkeiten, die mit konventionellen Verfahren nur schwer oder gar nicht realisierbar sind.
Wie sich moderne additive Fertigungsverfahren für die Herstellung patientenindividueller Implantate nutzen lassen, untersuchen Arbeitsgruppen der Fakultät für Maschinenbau der Hochschule Stralsund (HOST) und der Universitätsmedizin Greifswald gemeinsam. Diese Frage stand im Mittelpunkt eines gemeinsamen Treffens. Dabei ging es auch darum, mit welchen Prüfmethoden sich die Zuverlässigkeit der Materialien und Bauteile bereits während der Entwicklung am besten bewerten lässt – eine entscheidende Voraussetzung für ihre sichere Anwendung.
Für die Universitätsmedizin Greifswald nahm Prof. Dr. med. Martin Jordan, Direktor und Lehrstuhlinhaber für Unfallchirurgie, mit seinem Team an dem Treffen teil. An der Hochschule Stralsund trafen sie auf die werkstofftechnische Expertise von Prof. Dr.-Ing. Petra Maier und ihrem Team. Im Austausch über die jeweiligen wissenschaftlichen Schwerpunkte und Forschungsarbeiten loteten die Beteiligten Möglichkeiten einer zukünftigen Forschungskooperation aus.
Mit ihren modern ausgestatteten Laboren bietet die Fakultät für Maschinenbau der HOST hervorragende Voraussetzungen, um additiv gefertigte Materialien hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres schichtweisen Aufbaus zu untersuchen und zu bewerten.
Perspektivisch sollen die gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage für Simulationsmodelle dienen, die unter Einbindung von Prof. Dr. André Berger entwickelt werden könnten. Ziel ist es, das mechanische Verhalten der Materialien unter verschiedenen Belastungsbedingungen besser vorherzusagen. So ließen sich ihre potenziellen Einsatzmöglichkeiten im menschlichen Körper mithilfe von Simulationen fundierter bewerten.
Initiiert und organisiert wurde das Treffen von Prof. Dr.-Ing. Mark Vehse und Sven Klimaschewski, der bereits seit Längerem mit Prof. Jordan in der Grundlagenforschung zusammenarbeitet.
Dass die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Ingenieurwissenschaften großes Potenzial bietet, zeigt bereits das gemeinsame Weltraumforschungsprojekt OsteoGRAV-LEO. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin unter der Leitung von Prof. Dr. med. Georgi Wassilew durchgeführt. Gemeinsam mit dem Projektleiter Dr.-Ing. Frank Schulze untersucht das Team wie sich Schwerelosigkeit auf die Knochenbildung auswirkt. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten langfristig auch zum besseren Verständnis von Erkrankungen wie Osteoporose beitragen. Die Experimente sollen voraussichtlich im April 2027, vorbehaltlich geeigneter Startbedingungen, auf der Raumstation HAVEN-1 durchgeführt werden.
Mit der geplanten neuen Zusammenarbeit wollen die Hochschule Stralsund und die Universitätsmedizin Greifswald ein weiteres Zeichen für die Stärkung der interdisziplinären Forschung in Mecklenburg-Vorpommern und die Entwicklung innovativer medizinischer Technologien und Produkte setzen.
Mehr dazu: Hochschule Stralsund beteiligt sich an Weltraum-Mission - Hochschule Stralsund









