





Erfahrungsbericht
Svenja G., Leisure & Tourism Management (B.A.), 3. Studienjahr, University of Nicosia, Zypern, 23.09.2025–13.06.2026
Den Horizont erweitern – Mein Erasmusjahr auf Zypern
Entscheidungs- und Bewerbungsprozess
Von allen Erasmuszielen überzeugte mich Zypern am meisten – insbesondere durch die englische Unterrichtssprache, die vielfältigen Vertiefungsmodule und die geografische Lage. Da an der University of Nicosia pro Semester maximal fünf Module belegt werden können, entschied ich mich direkt für ein ganzes Auslandsjahr. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung, denn es dauerte einige Zeit, bis ich mich richtig eingelebt hatte.
Studium
Das Studium an der University of Nicosia war das Highlight meines Auslandsjahres. Besonders gefallen hat mir die Möglichkeit, studiengangsübergreifend Module zu wählen und dadurch Einblicke in verschiedene Bereiche der Hospitality- und Tourismusbranche zu erhalten. Auch das Benotungssystem hat mich überzeugt. Die Endnote setzt sich aus verschiedenen Leistungen wie Anwesenheit, wöchentlichen Aufgaben, Tests, Midterms, Präsentationen, Papers und Finals zusammen. Man wird während des gesamten Semesters kontinuierlich geprüft und lernt den Stoff nachhaltiger. Besonders spannend war der starke Praxisbezug. Gemeinsam entwickelten wir ein eigenes Eventkonzept, führten Qualitätsstudien in Zusammenarbeit mit Unternehmen durch und leiteten im Rahmen einer Simulation ein Hotel. Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit, an der europäischen Nachhaltigkeitskonferenz für Tourismus sowie weiteren universitätsinternen Konferenzen teilzunehmen und ein Kreuzfahrtschiff der MSC-Flotte zu besichtigen. Diese praktischen Erfahrungen haben das Studium abwechslungsreich gemacht und mir wertvolle Einblicke in die Branche gegeben.
Leben auf Zypern
Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt Zyperns. Innerhalb kurzer Zeit gelangt man von traumhaften Stränden ins Troodos-Gebirge, wo im Winter sogar Schnee liegt. Ob Wandern, Tauchen, Klettern, Paddle oder der Besuch historischer Ausgrabungsstätten– für jeden ist etwas dabei. Auch das Nachtleben kommt nicht zu kurz: Städte wie Ayia Napa, Limassol oder auch Nikosia bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Ausgehen und Feiern. Gerade diese Mischung aus Natur, Geschichte, Sport und Freizeit macht Zypern für mich zu einem außergewöhnlichen Erasmusziel. Zu meinen persönlichen Highlights gehörten das Kyperounta-Apfelfest, Halloween, die Weihnachtsmärkte, der Karneval in Limassol und die orthodoxen Osterfeierlichkeiten, bei denen ich die zypriotische Kultur noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen durfte.
Eine Besonderheit Zyperns ist die Teilung der Insel. Mitten durch Nikosia verläuft die Grenze zwischen dem griechisch- und dem türkisch-zypriotischen Teil, die sich über den Grenzübergang Ledra Street unkompliziert zu Fuß überqueren lässt. So konnte ich beide Seiten der Insel kennenlernen und ihre unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen erleben. Mit Englisch kommt man auf der griechisch-zypriotischen Seite problemlos zurecht. Die Menschen habe ich überall als sehr offen, gastfreundlich und hilfsbereit erlebt.
Die ersten Wochen waren für mich dennoch eine Umstellung. Vor allem an die zypriotische Mentalität musste ich mich erst gewöhnen. Im Vergleich zu Deutschland läuft vieles deutlich entspannter ab: Termine beginnen nicht immer pünktlich, organisatorische Dinge werden häufig kurzfristig geregelt. Anfangs fiel mir das schwer, da ich Struktur und Planung schätze. Mit der Zeit lernte ich jedoch, diese Gelassenheit auch zu schätzen.
Meine Unterkunft fand ich über Erasmus Life Nicosia. Ich empfehle, Wohnungen möglichst vorab zu besichtigen oder ehemalige Mieter nach ihren Erfahrungen zu fragen, da es vereinzelt Probleme mit Schimmel, Kautionen oder Vermietern geben kann.
Mit der Motion Card ist der öffentliche Nahverkehr sehr günstig und verbindet die wichtigsten Städte innerhalb von ein bis zwei Stunden. Für Ausflüge lohnt sich dennoch ein Mietwagen, da manche Orte mit dem Bus nur schwer erreichbar sind.
Durch ESN Nicosia und Erasmus Life Nicosia lernte ich schnell Studierende aus aller Welt kennen. Besonders ESN organisiert abwechslungsreiche Freizeitangebote, Ausflüge und Veranstaltungen, wodurch man leicht Anschluss findet. Der Kontakt zu Einheimischen war dagegen eher gering, da die University of Nicosia sehr international ist.
Fazit
Mein Erasmusjahr auf Zypern war für mich eine unvergessliche Erfahrung. Ich habe fachlich und persönlich viel dazugelernt, Freundschaften fürs Leben geschlossen und viele besondere Momente erlebt. Ich würde mich jederzeit wieder für ein Erasmusjahr an der University of Nicosia entscheiden.