


Erfahrungsbericht
Mercedes K., Intern. Management in the Baltic Sea Region, 5. Semester, Zypern, University of Nicosia, Wintersemester 2025/26
Studieren in der letzten geteilten Hauptstadt Europas
Bewerbungsprozess
Der Bewerbungsprozess war langwierig und zum Teil etwas verwirrend. Nachdem ich mich für die Erasmusförderung an meinen gewünschten Standorten beworben habe, erfuhr ich einige Wochen später, dass ich für die Hauptstadt Zyperns, Nicosia, angenommen wurde. Als nächstes habe ich meine Kurse gewählt, und am Ende insgesamt fünf Kurse gewählt. Immer wieder mussten verschiedene Dokumente an die Uni in Zypern und an das International Office gesendet werden, sodass ich persönlich irgendwann den Überblick verloren habe. Da ich einige Dokumente auch erst nach der Ankunft auf Zypern überhaupt anfordern konnte, verschob sie die erste Erasmuszahlung weit nach hinten und die erste Summe erhielt ich erst, als ich schon einen Monat da war. Die Kaution und die erste Miete für die Wohnung, der erste große Einkauf sowie weitere Ausgaben, die auf mich zukamen, musste ich deswegen erstmal aus eigener Tasche bezahlen (~1000€). Für Student*innen, die keinen finanziellen Puffer haben oder von ihrer Familie unterstützt werden können, kann das eine echte Herausforderung sein, vor allem da das Erasmusgeld (in meinem Fall) nicht einmal für die Miete gereicht hat.
Wohnungssuche
Meine beste Freundin, mit der ich den Aufenthalt verbrachte, fand unsere Wohnung auf Facebook. Das ist ganz normal auf Zypern und unsere anfänglichen Zweifel in Bezug auf Scam o.ä. stellten sich als unbegründet heraus. Ich würde empfehlen, eine Wohnung in der Nähe des City Centers zu suchen, da sich dort viele Restaurants, Cafés, und andere Möglichkeiten befinden. Mit einem Preis von 350 - 450€ muss gerechnet werden, und oft kommen Strom-, Wasser-, und Internetkosten separat dazu. Ich habe pro Monat ca. 450€ für die Miete und alle anderen Kosten bezahlt, und lag damit im Mittelfeld. Auch hier muss beachtet werden, dass Kautionen auf Zypern üblich sind und im voraus, also vor der ersten Erasmuszahlung, bezahlt werden müssen.
Kultur und Sprache
Zypern ist seit den 70er Jahren in die „Türkische Republik Nordzypern“, und die Republik Zypern geteilt. Die ganze Insel ist durch eine UN-geführte Pufferzone geteilt, die auch durch Nikosia verläuft. Den Grenzübergang in Nikosia kann man leicht zu Fuß mit Ausweis passieren, und dann ein paar Stunden auf der besetzten Seite verbringen. Dort wird türkisch gesprochen, während auf dem Rest der Insel, also dort wo ich gelebt habe und zur Uni gegangen bin, griechisch mit einem zypriotischen Dialekt gesprochen wird. Nahezu alle Menschen, egal ob jung oder alt oder auf welchem Teil der Insel, sprechen zudem sehr gutes Englisch. Die Verständigung war also kein Problem. Ich würde es trotzdem empfehlen, ein paar einfache Wörter auf griechisch zu lernen. Es bietet sich auch an, das griechische Alphabet währenddessen zu lernen. Nach ein paar Wochen konnte ich so die griechischen Wörter lesen. Die Zypriot*innen sind sehr freundlich, und ich hatte keine negative Erfahrung die mir im Kopf geblieben ist. Nachts habe ich mich als Frau immer sicher gefühlt und habe auch in dem Punkt zum Glück keine negative Erfahrung machen müssen. Ein weiterer riesiger Pluspunkt ist die Coffee-culture. An jeder Ecke gibt es tollen Kaffee aus Siebträgermaschinen und so gut wie immer Milchalternativen. Die vielen Cafés eignen sich wunderbar um sich mit Freunden zu treffen oder um Uni zu machen.
Alltag
Die Blöcke an der UNIC sind anstatt 90 Minuten 180 Minuten lang, aber trotzdem werden zwischendurch Pausen gemacht. Ich würde sagen, dass der Anspruch zwar geringer, aber dafür der Arbeitsaufwand höher ist. Es werden Midterms geschrieben und während des Semesters müssen viele Assignments gemacht werden. Im Großen und Ganzen bevorzuge ich aber, wie es hier in Deutschland gehandhabt wird, auch was die Lehrmethoden angeht. Nicosia vereint die Angebote einer Großstadt mit dem Gefühl einer Kleinstadt. Von Yoga über Flohmärkte bis hin zu Weihnachtsmärkten gibt es wirklich alles, und trotzdem kann man in Ruhe spazieren gehen und in einem Café sitzen, also fast so wie in Stralsund ;).
Infrastruktur/Fortbewegung
Zur Uni kommt man am besten mit dem Bus. Die Linien 41 und 42 werden von den meisten dafür genutzt. Da die Busse auf Zypern sehr unregelmäßig und nicht nach Plan fahren, empfehle ich die Website busonmap.com. Dort kann man die Busse in Echtzeit verfolgen. Zwischen den großen Städten kann man sich günstig mit den Intercity Bussen fortbewegen, und Carsharing wird ebenfalls viel auf der ganzen Insel genutzt.
Tipps & Tricks
Als ich im September angekommen bin, war die Hitze tagsüber fast unerträglich und ich habe auch kaum Menschen draußen gesehen. Abends und nachts hingegen waren viele Menschen unterwegs. Generell beginnt das Leben bei diesen heißen Temperaturen erst wenn die Sonne untergeht, man sollte sich also darauf einstellen tagsüber nicht allzu viel machen zu können. Wenn man Technomusik mag, kann man sehr gut auf der türkischen Seite feiern gehen. Die günstigsten Lebensmittel habe ich im Lidl gefunden, dort kann man auch mit der Lidl+ App sparen. Ihr werdet viele Straßenkatzen sehen, die sich über ein paar Leckerlis immer freuen.
Fazit
Ich kann ein Auslandssemester auf Zypern von ganzem Herzen empfehlen. Die Sonne, das Wetter, der Kaffee, und die Menschen dort haben meine Zeit unvergesslich gemacht, an die ich mich für immer erinnern werde. Man sollte sich vorher allerdings bewusst sein, dass das Erasmusgeld (in meinem Fall), nicht mal für die Miete gereicht hat. Das ist sehr schade, vor allem weil manche Studiengänge ein Auslandssemester als Pflicht vorschreiben, und meiner Meinung nach sollte niemand dafür aus eigener Tasche aufkommen müssen. Trotz dessen ist so eine Erfahrung in jedem Fall eine große Bereicherung.