


Erfahrungsbericht
Lea L., International Management Studies in the Baltic Sea Region, 5. Semester, Tschechien, Ústí nad Labem , Jan Evangelista Purkyně University, Wintersemester 2025/26
Besser als erwartet – trotz eines schwierigen Beginns
Ein Auslandssemester in Usti nad Labem, 500 km von zu Hause entfernt - ich hatte zu Anfang viele Bedenken.
Alles begann mit dem Bewerbungsprozesses und einer Reihe von Problemen. So reichte es nicht aus, wie bei anderen Universitäten die Erasmus-Dokumente auf dem Erasmus-Portal hochzuladen, sondern die Unterlagen mussten zusätzlich per E-Mail an die Universität geschickt werden. Jegliche Konversation erfolgt per E-Mail, telefonisch war niemand zu erreichen. Der E-Mailverkehr war sehr holprig und ich musste oft mehrere Tage auf eine Antwort warten. Später stellte sich heraus, dass ich mich stets an die falsche Person gewandt hatte. Dies wurde mir gegenüber allerdings nie kommuniziert und ist erst im Oktober aufgefallen, als ich mit der verantwortlichen Erasmus-koordinatorin meiner Fakultät an der UJEP geredet habe. Auch die Information, dass die Erasmus-Dokumente trotz des Hochladens auf das Portal nochmal per E-Mail geschickt werden sollen, habe ich erst erhalten, als die Bewerbungsphase schon abgelaufen war. Jegliche Rückfragen meinerseits bezüglich der Kurse und Unterrichtssprache wurden bis dahin ignoriert.
Zum Bewerbungsprozess gehörten weiterhin die Anträge für einen tschechischen Sprachkurs, einen Wohnheimplatz und einen Studentenausweis. Der dem Semester vorgeschaltete 2-wöchige Sprachkurs war freiwillig. Auf dem Antragsformular stand, dass er auch digital stattfindet. Leider stellte sich heraus, dass der Kurs ausschließlich in Präsenz abgehalten wurde, so dass ich leider nicht daran teilnehmen konnte. Der Antrag auf einen Wohnheimplatz war verständlich und einfach auszufüllen. Wichtig ist, dass man zu Beginn zwei Monatsmieten und eine Kaution bereitstellen muss. Die eigenen Kontodaten an der UJEP (Miete) sind in einem Onlineportal einsehbar. Der Bewerbungsprozess für das Wohnheim wird sowohl auf einem Flyer auf der Website der Universität erklärt, als auch per E-Mail bekanntgegeben. Die Beantragung des Studentenausweises war schwieriger zu verstehen. Es wurden sowohl ein einfacher Studentenausweis als auch eine ISIC-Karte angeboten. Auf der offiziellen Website steht, dass die ISIC nur von tschechischen Studenten beantragt werden kann. Das stimmt nicht, auch Erasmusstudenten können diesen Ausweis bekommen und sollten diese Chance auch nutzen. Die ISIC macht das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und den Eintritt zu vielen Freizeitaktivitäten günstiger. Sie ist für ein Jahr gültig. Beide Studentenausweise werden genutzt, um das Wohnheim zu betreten.
Das Wohnheim ist in 3 Gebäude unterteilt, K1, K2 und K3. Ich habe in K2 gewohnt, auf der 6ten Etage. Die Etagen 7 und 8 sind generell für Erasmusstudenten reserviert, die 6te wurde in meinem Semester aber ebenfalls großteilig von Erasmus genutzt. Ich habe mir ein Zimmer mit einer anderen Studentin geteilt und wir uns mit 2 weiteren Studenten die Toilette und das Badezimmer. Die Küche teilt sich die gesamte Etage. Es gibt einen Herd mit Ofen, eine Mikrowelle und einen Wasserkocher. Die Küche ist von 22 bis 6 Uhr geschlossen. Auf jeder Etage gibt es eine Waschmaschine. Die Nutzung kostet 60 Kronen pro 3 Stunden. An der Rezeption können Wäscheständer ausgeliehen werden. Zur Ausstattung der Zimmer gehören je Bewohner ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch mit Stuhl und ein kleines Regal. Den Kühlschrank mit Gefrierfach teilt man sich mit seinem jeweiligen Mitbewohner des Zimmers. In meinem Zimmer gab es eine einzige Steckdose. Ein Verteilerkabel ist zwingend notwendig. Die Bettwäsche wird gestellt und muss bei Auszug an der Rezeption abgeben werden. Die Zimmer und die Sanitärbereiche sind nicht luxuriös, aber sauber. Wichtig ist zu wissen, dass die Rezeptionisten kein Englisch oder Deutsch sprechen. Dass die Mitarbeiter an der Rezeption gegenüber Erasmusstudenten unfreundlich sind, wird erzählt, ich selbst kann dies aber nicht bestätigen.
Das Mittagessen kann man online bestellen und sich von der Cafeteria an das Wohnheim schicken lassen. Zuvor ist das Aufladen der eigenen Studentenkarte in der Cafeteria notwendig.
Sehr zu empfehlen ist, sich für einen Erasmus-Buddy zu bewerben. Er half mir sowohl bei Besuchen der Universitätsverwaltung, als auch bei notwendigen Behördengängen, die ich alleine gerade in der ersten Zeit nicht hätte bewerkstelligen können. So muss z.B. die Auslandskrankenversicherung im Gesundheitscenter der Stadt nachgewiesen werden, damit man als Student einen Zugang zum online-Portal erhält. Ohne diesen ist es einem Erasmus-Studenten unmöglich, einen Arzttermin zu bekommen. Hier sei ebenfalls angemerkt, dass leider auch die Mitarbeiter in den Behörden kaum Englisch sprechen.
Das ESN (Erasmus Student Network) ist sehr gut aufgestellt. Es gibt viele Ausflüge (Tisa, Liberec, Prag), Partys und andere Aktivitäten, die von den tschechischen Studenten organisiert werden. Als Deutsche wurde ich außerdem gefragt, ob ich nicht bei einem deutschen Café mitmachen möchte. Hier werden tschechische Studenten dabei unterstützt, Deutsch zu lernen. Die Termine für diese Treffen, wurden meinem Studienkalender angepasst.
Die Kurse an der Universität selber waren strukturiert und übersichtlich. Ich hatte im 5ten Semester sowohl Kurse, in denen der Fokus auf Konversation und der Darlegung eigener Erlebnisse stand, als auch Kurse in denen man eigene Projekte planen und/oder Hausarbeiten schreiben musste. Der wöchentliche Arbeitsaufwand unterschied sich daher je nach Fach deutlich. Die Professoren wiesen bereits in den ersten Vorlesungen darauf hin, welche Vorgaben es zum Bestehen des Kurses gab. Die meisten der Dozenten/Professoren waren per E-Mail gut zu erreichen, nur in 2 meiner 6 Fächer erschien es sinnvoller, den Dozenten persönlich anzusprechen bzw. aufzusuchen.
Den Alltag zu bewältigen stellte mich vor keine großen Herausforderungen. Der nächste Supermarkt war ein Kaufland ganz in der Nähe des Wohnheims. 15 Minuten zu Fuß oder 5 mit dem Bus, wobei es 2 Buslinien gab, die einen direkt hin oder zurück fahren konnten. Auch waren alle Vorlesungsorte und auch die Bibliothek sehr gut und schnell fußläufig zu erreichen.
Umgangssprache ist natürlich Tschechisch. Eine Verständigung auf Englisch oder Deutsch war kaum möglich. Selbst jüngere Leute sprechen nur gebrochen Englisch. Religion scheint kein sehr wichtiges Thema zu sein.
Eine klare Warnung möchte ich hier dann doch geben: Usti nad Labem ist als „Meth-Hauptstadt Europas“ bekannt. Der Drogenkonsum ist mitunter offensichtlich und bereits in der Willkommens-präsentation wird vor einem ganzen Stadtteil (wenige Minuten vom Wohnheim entfernt) ausdrücklich gewarnt.
Mein Fazit zum Auslandssemester an der UJEP in Usti nad Labem ist, dass ich die Zeit dort sehr genossen habe. Die Professoren waren freundlich, die Studenten hilfsbereit und wenn man einen Übersetzer hat, kann man auch die Kommunikation meistern. Der ESN ist immer da um Fragen zu beantworten, begleitet einen bei Behördengängen und organisiert eine ganze Reihe von Freizeitaktivitäten. Das Studentenleben kommt nicht zu kurz. Die Kurse sind interessant, aber nicht zu schwer, zumindest nicht die, die ich gewählt hatte. Das Wohnheim ist sehr sicher, das Betreten nur mit einem Ausweis möglich. Ich kann ein Auslandssemester an der UJEP klar empfehlen.