Erfahrungsbericht

Jonathan V., Leisure and Tourism Management, 6tes Semester, UPV Gandía, Sommersemester 2026 (Februar – Mitte Juni)

 

Gandía – Kleiner Ort, Große Herausforderung

 

Studiumssuche, Bewerbung und Vorbereitung

Schon früh im Studium stand für mich fest: Das Auslandssemester soll nach Spanien gehen. Nach vier Semestern intensivem Spanischunterricht war die Motivation groß, die erlernten Sprachkenntnisse endlich im realen Kontext anzuwenden und zu festigen. Der eigentliche Bewerbungsprozess bis zur Zusage verlief erfreulich unbürokratisch. Erst bei der anschließenden Vorbereitung kam es zu organisatorischen Herausforderungen, da der E-Mail-Verkehr mit der UPV Gandía teilweise ins Stocken geriet und Deadlines sehr kurzfristig kommuniziert wurden. Rückblickend fand die UPV Gandía jedoch für alle Beteiligten eine Lösung und garantierte eine erfolgreiche Eingliederung.

Überraschend unkompliziert verlief dagegen die Wohnungssuche. Ich organisierte meine Unterkunft über Europa Inmobiliaria. Vor Ort hörte ich von anderen Studierenden zwar vereinzelt negative Kritik an der Agentur, mein eigener Mietprozess lief jedoch glücklicherweise komplett reibungslos ab.

Vorort - Alles rundum Gandía

Obwohl Gandía – gelegen etwa eine Stunde von Valencia entfernt – ein eher ruhiges Küstenstädtchen ist, bietet es eine hohe Lebensqualität. Geografisch teilt sich der Ort in Gandía Playa, wo sich auch der Campus der Universität befindet, und das etwas landeinwärts gelegene Stadtzentrum (Gandía City). Eingeschlossen zwischen einer Bergkette und dem Mittelmeer, überzeugt die Region in jede Himmelsrichtung durch ihre landschaftliche Attraktivität.

Trotz der überschaubaren Größe der Stadt war das Angebot an Veranstaltungen überraschend vielfältig: Kulturelle Highlights wie Las Fallas, die traditionellen Osterfeierlichkeiten sowie diverse Sportevents und Laufveranstaltungen prägten das Semester.

Für das alltägliche Leben und die Integration vor Ort erwiesen sich die zuvor erworbenen Spanischkenntnisse als absolut essenziell. Da im direkten Umfeld nur sehr wenig Englisch gesprochen wird, kann es ohne fundierte Sprachbasis schnell zu Kommunikationsbarrieren kommen. Bringt man diese jedoch mit, gelingt das Einleben in die spanische Kultur – abgesehen von einer anfänglichen Umstellung auf die traditionelle Siesta – reibungslos.

Vorort - Alles rundum die Uni

Da ich mein Auslandsstudium im Sommersemester absolvierte, beziehen sich die folgenden akademischen Erfahrungen ausschließlich auf diesen Zeitraum. Rückblickend stellte die universitäre Organisation die mit Abstand größte Hürde des gesamten Aufenthalts dar, was vor allem am Zusammenspiel aus hohem Workload, massiven Kommunikationsbarrieren und dem daraus resultierenden Stress lag.

Entgegen ursprünglichen Erwartungen war es in diesem Semester lediglich möglich, einen einzigen Kurs auf Englisch zu belegen. Die restlichen vier Module wurden ausnahmslos auf Spanisch abgehalten – eine zusätzliche Barriere, da auch die Dozierenden kaum bis gar kein Englisch sprachen. Der Universitätsalltag war kontinuierlich geprägt von Zwischenabgaben, wöchentlichen Aufgaben und Präsentationen. Während dieses Pensum anfangs noch bewältigbar schien, eskalierte der Workload gegen Semesterende. In Kombination mit der finalen Prüfungsphase führte dies dazu, dass die vorlesungsfreie Zeit fast ausschließlich in der Bibliothek verbracht werden musste.

Entgegenkommen oder sprachliche Erleichterungen für internationale Studierende gab es seitens der Hochschule praktisch nicht. Hier stießen selbst fundierte Spanischkenntnisse schnell an ihre Grenzen, was folglich zu inhaltlichen Problemen bei den Leistungsnachweisen führte. Insbesondere im letzten Drittel des Semesters entwickelte sich die Organisation rund um das „Wann, Wie und Wo“ der Prüfungsleistungen zu einer permanenten logistischen Herausforderung.

Das Fazit fällt daher zweigeteilt aus: Während Gandía als Lebensort absolut überzeugen konnte, blieb das akademische Niveau und die Betreuung an der Universität weit hinter den Erwartungen zurück.

To-dos außerhalb der Uni

Ein großer Pluspunkt des Aufenthalts war die große Erasmusgruppe, mit der sich unkompliziert vielseitige Aktivitäten organisieren ließen. Die geografische Lage bot dafür eine hervorragende Ausgangsbasis: Tagesausflüge mit der Bahn in das rund 1,5 Stunden entfernte Valencia (inklusive Busanbindung), Busreisen in den Süden nach Alicante oder gemeinsame Fahrten mit dem Mietwagen in die umliegende Bergwelt gehörten zu den Highlights der Freizeitgestaltung.

Die Infrastruktur vor Ort erwies sich dabei als absolut zweckmäßig. Der lokale Busverkehr in Gandía ist solide, stieß jedoch zu Stoßzeiten gelegentlich an seine Kapazitätsgrenzen. Die regionalen Züge und Fernbusse erfüllten ihren Zweck hingegen absolut zuverlässig und machten das Reisen im Land unkompliziert. Wer sich nach Partyleben sehnt, ist in Valencia für eine Nacht besser aufgehoben. 

Fazit

Alles in allem würde ich dieses Auslandssemester nicht nochmal machen. Der Grund ist hier die Universität und den Tribut, den sie fordert. Alles drumherum war zwar sehr angenehm, aber der Workload hat meiner Meinung nach zu viel Lebensqualität genommen. 

Aber wer sehr gute spanische Kenntnisse besitzt und das spanische Klima liebt, ist hier besser aufgehoben.