



Erfahrungsbericht
Antonia R. | Wirtschaftsinformatik, 3. Mastersemester | Universidad Miguel Hernández de Elche, Spanien | Februar bis Mitte Juli 2026
Zwischen Palmen, Strand und Studium
Warum Elche?
Für mein Auslandssemester hatte ich mir bewusst einen längeren Aufenthalt von über fünf Monaten vorgenommen. Über die Restplatzausschreibung der Hochschule Stralsund bin ich schließlich auf die Universidad Miguel Hernández (UMH) in Elche gestoßen. Ausschlaggebend für meine Wahl waren das solide Angebot an englischsprachigen Kursen, die überschaubare Stadtgröße und das angenehme Klima. Rückblickend war Elche für mich genau die richtige Entscheidung.
Bewerbung und Vorbereitung
Die Bewerbung verlief unkompliziert über die Restplatzausschreibung des International Office der HOST. Wer sich eine größere Auswahl an Partnerhochschulen wünscht, sollte unbedingt die reguläre Ausschreibung nutzen.
Ein zentraler Punkt meiner Vorbereitungen war die Wohnsituation. Ich habe mich bereits im Vorfeld für ein Zimmer im Studierendenwohnheim EligHall V20 entschieden. Dort habe ich in einer Dreier-WG mit zwei Mitbewohnerinnen aus Spanien und Marokko gewohnt. Für mein Zimmer mit eigenem Bad und Balkon habe ich monatlich 600 € gezahlt. Über Portale wie Idealista oder studentische WhatsApp-Gruppen lassen sich zwar deutlich preiswertere Unterkünfte finden, für mich war der Komfort und das unkomplizierte Ankommen den Aufpreis jedoch absolut wert. Die nächste große Bushaltestelle lag keine fünf Gehminuten entfernt, und der Campus war von dort in rund sieben Minuten erreichbar.
Die allgemeinen Lebenshaltungskosten bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland. Herausragend günstig ist der öffentliche Nahverkehr: Eine 20erFahrkarte für den Stadtbus kostet lediglich rund 6,40 €, sodass man vor Ort problemlos ohne Auto mobil ist.
Studium an der Universidad Miguel Hernández
An der UMH habe ich englischsprachige betriebswirtschaftliche Kurse auf BachelorNiveau besucht: Marketing Plan, Media Structure, Strategic Decision Models und The Internet at Companies. Die Veranstaltungen fanden in Präsenz statt und hatten mit etwa 10 bis 15 Teilnehmenden eine sehr angenehme Gruppengröße.
Akademisch war das Semester gut zu bewältigen, verlangte aber eine kontinuierlichere Mitarbeit als gewohnt. Statt einer einzigen Klausur am Semesterende flossen regelmäßige Hausaufgaben, Zwischenpräsentationen, Fallstudien und Midterm-Exams laufend in die Endnote ein. Fachlich empfand ich die Inhalte nicht schwerer als in Stralsund, der wöchentliche Arbeitsaufwand war jedoch spürbar höher. Die Dozierenden traten durchweg nahbar und hilfsbereit auf. Eine pauschale Anwesenheitspflicht bestand zwar nicht, allerdings floss die aktive Mitarbeit in einem Modul in die Bewertung ein.
Eine kleine Einstiegshürde war die Sprache: Sowohl die offizielle WelcomeVeranstaltung als auch etliche Uni-Mitteilungen wurden ausschließlich auf Spanisch abgehalten bzw. versendet. Die Suche nach konkreten Ansprechpersonen oder dem Sportangebot gestaltete sich daher anfangs etwas zäh. Bei direkter persönlicher Nachfrage half das Team vor Ort jedoch jederzeit freundlich auf Englisch weiter.
Alltag, Freizeit und Reisen
Auch ohne fundierte Spanischkenntnisse lässt sich der Alltag gut meistern. Während an der Universität Englisch völlig ausreichte, sprachen viele Einheimische in Geschäften oder Cafés meist nur Spanisch. Mit Übersetzungstools und ein wenig Pragmatismus gab es bei der Verständigung jedoch nie echte Probleme.
Der spanische Tagesrhythmus ist entspannt und gewöhnungsbedürftig zugleich: Meine Vorlesungen starteten nie vor 9:15 Uhr, manche erst um 11:00 Uhr, zogen sich dafür aber vereinzelt bis in die frühen Abendstunden. Durch eine geschickte Stundenplangestaltung hatte ich zudem zwei komplette Wochentage vorlesungsfrei.
Elche selbst bietet ein ruhiges, authentisches spanisches Umfeld mit einer offenen Atmosphäre. Wer mehr Trubel oder Nachtleben sucht, erreicht das benachbarte Alicante in 35 Minuten mit dem Bus. Für gemeinsame Aktivitäten und Anschluss an die internationale Community empfehle ich die Angebote des ESN Alicante Club. Die organisierten Tagesausflüge, beispielsweise zu den berühmten Las Fallas nach Valencia, waren hervorragende Gelegenheiten, um neue Kontakte zu knüpfen. Dank des dichten und günstigen Netzes der ALSA-Fernbusse eignet sich Elche zudem ideal als Ausgangspunkt für eigene Reisen durch ganz Spanien (z. B. nach Granada mit dem Bus oder nach Sevilla mit dem Flugzeug von Alicante aus).
Fazit
Ein Highlight war zweifelsohne das Klima: Bereits im Februar sind die Temperaturen auf bis zu 24 °C geklettert, im Frühsommer lockten die Strände der Region (rund 30 bis 40 Busminuten entfernt), bevor es im Juli mit bis zu 35 °C hochsommerlich heiß wurde.
Mein Auslandssemester hat mir gezeigt, wie bereichernd ein längerer Aufenthalt fernab der Heimat ist – selbst dann, wenn man die Landessprache nicht von Tag eins an fließend beherrscht. Die gelungene Mischung aus kontinuierlichem Studium, Reisen, Strandnähe und der offenen spanischen Lebensart hat diese Zeit für mich einzigartig gemacht.
Ich kann Elche insbesondere Studierenden empfehlen, die eine fokussierte Studienumgebung und echte spanische Lebensqualität schätzen, ohne auf Trubel oder Reisen verzichten zu müssen. Am Ende stand für mich eigentlich nur eine Frage im Raum: Warum nicht gleich noch ein Semester dranhängen?