Studium

Spanien - OSTELEA Tourism Management School

Ein Semester lang Guiri

Lisa-Marie S., Leisure and Tourism Management, 6. Semester, Spanien, Barcelona, OSTELEA Tourism Management School, Sommersemester 2022
Hinweise zur Studiensuche
Vor meiner Mobilität war ich mir nicht sicher, wohin ich gehen möchte, und konnte mir nach zwei Semestern im Homeoffice nicht vorstellen, das Land zu verlassen. Also war ich etwas überwältigt von dem Gedanken. Jedoch entschied ich mich dann spontan, mich auf die Restplätze zu bewerben, was meine Auswahl natürlich schon stark einschränkte, aber durch reines Glück (da Spanien ein wirklich beliebtes Ziel für LTM ist) gab es noch einen Platz für die OSTELEA Tourism Management School in Barcelona, wofür ich dann auch letztlich ausgewählt wurde. Sonst wäre auch nur noch Litauen oder Polen in Frage gekommen.
Bewerbungsprozess
Der Bewerbungsprozess verlief unkompliziert, auch wenn es erstmal nach einer Menge an Dokumenten scheint, hat man diese relativ schnell zusammen. Jedoch ist mir das Motivationsschreiben schwergefallen, denn ich hätte wahrscheinlich kein Auslandssemester gemacht, wenn es nicht obligatorisch für den Abschluss wäre. 
Vorbereitung
Da Spanien ein EU-Land ist, musste ich mich nicht vorher um viel Papierkram kümmern, abgesehen von den verlangten Impfdokumenten in Bezug auf Corona, wofür ich mir vor Abflug noch die Booster-Impfung geben lassen habe, damit ich mich darum nicht vor Ort kümmern müsste. Zusätzlich musste man sich dann vor der Einreise in einer App registrieren, die die genauen Aufenthaltsdaten dokumentiert, was kein Problem darstellt, wenn man schon vorab weiß, wo man die ersten paar Wochen schlafen wird. Ansonsten habe ich mir noch einige Blogs von Auswanderern durchgelesen, um ein Gefühl für die Menschen und den Alltag zu bekommen.
Wohnungssuche, Unterkunft
Da meine Universität hier leider weder Studentenunterkünfte anbieten kann noch Unterstützung bietet eine Wohnung zu finden, außer einer Liste von Internetseiten, die mehr oder weniger seriös sind, war ich damit nahezu auf mich allein gestellt. Ich wollte auch nicht in Barcelona ankommen und keine feste Unterkunft haben, weswegen ich wochenlang die unterschiedlichsten Seiten durchsucht habe. Das war ziemlich frustrierend, denn viele Vermieter/Internetseiten versuchen ihre Vorteile aus der Situation zu ziehen und bieten schlechte Zimmer zu hohen Preisen an. Einige meiner Kommilitonen hier sind die ersten Tage in einem Hostel geblieben und haben sich dann auf die Suche gemacht mithilfe von zum Beispiel fotocasa.es, eine Plattform, die unter Spaniern recht beliebt ist. Letztlich habe ich durch spanische Internationals in Stralsund ein bezahlbares Zimmer in einer zentralgelegenen WG mit 4 spanischen Frauen in meinem Alter gefunden. 
Kultur
Spanien, als eines der beliebtesten Urlaubsländer, ist natürlich gewohnt an viele Touristen. Die Hauptsaison für Barcelona ist im Frühjahr, denn im Juli wird es hier auch für die Spanier zu warm und die Mehrheit fährt aufs Land oder verlässt das Haus tagsüber nicht, wenn es nicht nötig ist. Generell sind die Menschen aufgeschlossen und hilfsbereit, wenn man Spanisch spricht oder es zumindest versucht, was teils auf die öffentliche Bildung und teils auf den Stolz der Katalanen auf Katalonien zurückzuführen ist. Die Unpünktlichkeit der Spanier ist kein Mythos, was in alltäglichen Situationen, aber auch kein Problem darstellt, tatsächlich gefällt mir die stressfreiere Lebensweise der Spanier im Gegensatz zur deutschen wirklich gut, wobei natürlich jeder unterschiedlich ist und es auch hier eine Toleranzgrenze gibt. 
Freizeit
Nach der Uni, die normalerweise um 13:30 endet, hat man noch genügend Zeit in die Stadt zu fahren oder Freunde zu treffen. Das Angebot an Restaurants ist hier groß und in den richtigen Ecken auch nicht so teuer wie in Deutschland. Außerdem gibt es regelmäßig Tage für freien Eintritt in einige Museen, zum Beispiel jeden Sonntag ab 15 Uhr. Wenn man lieber das Land bereisen möchte, gibt es auch einige Organisationen, mit denen man für wenig Geld Busausflüge zusammen mit anderen Erasmusstudenten machen kann. Natürlich kann man seine Nächte auch in den unterschiedlichsten Clubs oder Bars verbringen, wobei ich dazu rate auf Instagram nach freien Eintritten oder Gästelisten zu gucken.   
Sprache
Vorab muss ich sagen, dass es für HOST Studenten obligatorisch war, ein Sprachniveau von mindestens B1 zu haben, jedoch sprechen einige meiner Kommilitonen auch gar kein Spanisch. Der Sprung von der wöchentlichen Vorlesung zum täglichen Gebrauch der Sprache ist mir anfangs nicht ganz so leichtgefallen, obwohl ich mich viel damit beschäftigt habe vor der Mobilität. Ein großer Vorteil für mich war es die Zeit über spanische Mitbewohnerinnen und Freunde zu haben, sodass ich nicht aus der Übung kam. Ich denke aber, dass man den Alltag auch größtenteils ohne Spanischkenntnisse meistern kann, aber es einem definitiv Türen öffnet. Für alle mit Kenntnissen kann ich nur sagen: Übung macht den Meister und man wird meistens auch trotz grammatikalischer Fehler verstanden.   
Studium
Das Studium an der OSTELEA ist sehr praxisorientiert. Wir machen in einigen Kursen Exkursionen oder hören Praxisvorträge von Experten. Generell erinnert es mehr an das deutsche Schulsystem, da wir das ganze Semester über Präsentationen, Hausaufgaben oder Tests haben, was als Austauschstudent wirklich anstrengend sein kann. Ich zum Beispiel, belege hier sechs Kurse, von denen sich alle außer einer Einheit überschneiden, da ich diese in verschiedenen Semestern und Fachrichtungen belege. Das könnte meiner Meinung nach besser geregelt werden, aber wenn man sich mit den Dozenten abspricht, funktioniert es auch, da diese für die Situation Verständnis aufbringen. Außerdem sind die Klassen hier deutlich kleiner, da es eine Privatuni ist, und es kommt oft zu fachlichen Diskussionen, was mich dazu angeregt hat, auch mal über den Unterricht hinaus über Themen nachzudenken.
Infrastruktur
Die Infrastruktur in Barcelona ist sehr übersichtlich und schnell verständlich nach ein paar Tagen. Mit dem carnet T-jove für 80€ kann man für 90 Tage beliebig viele Fahrten in einer Zone (quasi die ganze Stadt) unternehmen. Reisen außerhalb Barcelonas bucht man normalerweise über Renfe, das Äquivalent zur Deutschen Bahn, welche aber viel billiger sind und, abhängig vom Ziel, auch häufiger fahren. Die Ausschilderung ist meistens in Katalan und selten in Spanisch, aber intuitiv, dank der Farbkodierung der Linien und Bildsprache. Zur Navigation sollte man definitiv Google Maps nutzen. Das einzige Problem ist, dass es nur samstags durchgängigen Metroverkehr gibt, an allen anderen Tagen muss man sich dann mit dem „nit bus“ fortbewegen, der ungefähr alle 20 bis 30 Minuten fährt.
Fazit
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich wirklich froh über mein Auslandssemester bin, denn ich konnte hier nicht nur meine Spanischkenntnisse verbessern und über mich selbst hinauswachsen, sondern habe auch Freundschaften für‘s Leben geschlossen. Außerdem konnte ich an der Uni viel über die Tourismusindustrie im echten Leben lernen, da wir uns nicht nur mit stumpfer Theorie beschäftigt haben. Ich kann also jedem nur ans Herz legen ein Auslandssemester an der OSTELEA Tourism Management School zu machen, denn ich habe mich hier in die Stadt und die Kultur verliebt und kann mir sogar vorstellen wiederzukommen.