Erfahrungsbericht

Nina M., Tourism Development Studies, 3. Semester, Sardinien, Università degli Studi di Sassari, Wintersemester 2025/26

 

Ein Semester am Meer: Meine Zeit auf Sardinien

 

Seit Beginn meines Masterstudiums war mir bewusst, dass ich gerne ein Auslandssemester machen möchte. Ich hatte großes Interesse an Kursen zum Thema Nachhaltigkeit und habe vor allem nach Auslandsmöglichkeiten im Süden Europas Ausschau gehalten. So bin ich schließlich in Olbia auf Sardinien gelandet. Olbia ist ein wirklich süßer Ort, mit mediterranem Flair und einer entspannten Atmosphäre. Einige Dinge, die den Alltag und das Studium betreffen, sollte man unbedingt vorher wissen, damit man nicht mit falschen Erwartungen anreist.

Zu Beginn stand für mich die Wohnungssuche an, und diese war etwas schwieriger als gedacht. Eigentlich wäre Cipnes der offizielle Ansprechpartner für Studierendenunterkünfte gewesen, aber weder ich noch andere Austauschstudierende konnten dort, trotz mehrfacher Versuche, jemanden erreichen. Am Ende habe ich gemeinsam mit zwei anderen Austauschstudierenden nach längerer Suche eine zentrale Wohnung gefunden. Viele Wohnungen werden hier jedoch ausschließlich als Ferienunterkünfte vermietet, was bedeutet, dass Langzeitmieten zu normalen Preisen eher selten sind. Ohne die Sprachkenntnisse meiner Mitbewohnerin und etwas Glück wäre es vermutlich noch schwieriger geworden.

Ein weiterer Punkt, der unbedingt klarer kommuniziert werden sollte, ist die Struktur der Universität. Olbia ist nicht der Hauptstandort der Universität Sassari. Der Hauptcampus liegt auf der anderen Seite der Insel in Sassari, während sich in Olbia lediglich der Tourismuscampus befindet, und dieser liegt aktuell direkt im Flughafen. Diese räumliche Trennung hatte definitiv Auswirkungen auf das Erasmus‑Erlebnis. Da das ESN‑Netzwerk in Sassari sitzt, hat man in Olbia praktisch keinerlei Anschluss an Erasmus‑Events. Für uns war es schlicht zu weit, um regelmäßig nach Sassari zu fahren. Dieses Semester waren wir insgesamt nur drei Austauschstudierende in Olbia, und das lokale Studierendennetzwerk ist entsprechend sehr klein.

Was die Kurse betrifft, hängt die Erfahrung stark davon ab, was man belegt. Ich habe zwei Kurse zu Nachhaltigkeit und Datenerhebung beim gleichen Professor besucht. Inhaltlich war es interessant und bot eine andere Perspektive als bei uns in TDS. Allerdings sind die Kurse hier klein (meist nur drei bis sechs Studierende). Das führt zu einer sehr persönlichen Atmosphäre, aber es fühlt sich dadurch auch weniger wie ein typisches Erasmus‑Semester an, in dem man viele neue Leute trifft und sich in einer großen internationalen Community bewegt.

Insgesamt ist Olbia also kein klassisches Auslandssemester mit großem Netzwerk, vielen Events und einer lebendigen Studierendenszene. Man sollte sich gut überlegen, ob man mit den strukturellen Herausforderungen zurechtkommt. Italienischkenntnisse sind ein großer Vorteil, wobei es einen kostenlosen Italienischkurs der Uni gibt. Wenn man diese Punkte akzeptieren kann, kann man aber eine wirklich schöne Zeit haben. Die Umgebung ist traumhaft, die Strände gehören zu den schönsten in Europa, und Sardinien hat landschaftlich wie kulturell unglaublich viel zu bieten. Für jemanden, der Ruhe, Natur und ein eher individuelles Erasmus‑Erlebnis sucht, kann Olbia genau das Richtige sein.