




Erfahrungsbericht
Benedikt W., Informatik (Master), 3. Semester, Portugal, Azoren, Universidade dos Açores, Wintersemester 2025/26
Zwischen Vulkankratern, Atlantikstürmen und herzlicher Gelassenheit. Ein Semester auf den Azoren
Einleitung
Ich habe mich für ein Auslandssemester mitten im Atlantik in Ponta Delgada auf der Insel São Miguel entschieden. Die Azoren bieten eine einzigartige Mischung aus portugiesischer Kultur und wilder Natur. Im Folgenden berichte ich von meinen Erfahrungen an der Universidade dos Açores (UAc).
Bewerbungsprozess und Vorbereitung
Der Bewerbungsprozess an der UAc verläuft hauptsächlich über das Portal „Inforstudent“. Alle nötigen Informationen und Anleitungen erhält man normalerweise per E-Mail und in einem hilfreichen Handbuch. Sollten doch Fragen aufkommen, werden diese vom International Office sehr schnell beantwortet.
Wohnungssuche und Unterkunft
Die Wohnungssuche in Ponta Delgada kann eine Herausforderung sein. Am einfachsten und preiswertesten ist das Studentenwohnheim. Hier sollte man sich jedoch sehr rechtzeitig bewerben, da meistens nur Doppelzimmer verfügbar sind und die Kapazitäten begrenzt sind. Eine Zusage kann sehr kurzfristig kommen. Hier lohnt es sich, eventuell nochmal nachzufragen. Alternativ kann man auch eine Liste mit möglichen privaten Wohnungen von dem Studentenwohnheim erhalten.
Studium an der UAc
Das Studium habe ich als sehr positiv empfunden. Die Professoren sind äußerst hilfsbereit, freundlich und der Unterricht ist sehr praxisorientiert. Die Vorlesungssprache ist normalerweise Portugiesisch, aber viele Professoren sprechen Englisch und entscheiden selbst, ob sie die Vorlesung auf Englisch halten, wenn Erasmus-Studierende anwesend sind.
Das Prüfungssystem unterscheidet sich etwas von dem in Deutschland. Es wird viel Wert auf kontinuierliche Mitarbeit gelegt. Meistens sind bewertete Abgaben während des Semesters gefordert, kombiniert mit einem Test oder Projekt. Wer mindestens 10 von 20 Punkten erreicht, hat bestanden. Falls das nicht klappt, gibt es eine reguläre Prüfung, die man bei Nichtbestehen sogar im selben Semester noch einmal wiederholen kann.
Alltag, Kultur und Sprache
Die Mentalität ist extrem freundlich und gelassen. Nicht „pünktlich“ kommen, kommt hier öfter vor. Was nicht automatisch heißt, dass es in Ordnung ist. Im Alltag kommt man mit Englisch sehr weit, da die meisten Einheimischen es gut sprechen, auch wenn die Landessprache Portugiesisch ist.
Die Infrastruktur der Stadt ist charmant, aber gewöhnungsbedürftig. Es gibt viele alte Häuser und sehr schmale Gehwege. Ein wichtiger Tipp: Da es oft keine Dachrinnen gibt, läuft das Wasser bei Regen direkt vom Dach auf die Straße. Ein stabiler Regenschirm oder sehr gute wasserdichte Kleidung sind also empfehlenswert.
Ein Supermarkt ist täglich geöffnet, die Auswahl ist etwas kleiner als in Deutschland, dafür ist die Fischtheke riesig. Kulinarisch sollte man sich auf späte Essenszeiten einstellen. Viele Restaurants haben mittags nur kurz auf oder sind geschlossen und öffnen erst spät am Abend wieder.
Zu beachten ist auch das Thema Wohnkomfort. Die meisten Häuser haben keine Heizung. Da es im Winter zwar „nur“ auf ca. 15 Grad abkühlt, die Luftfeuchtigkeit aber sehr hoch ist, fühlt es sich deutlich kälter an. Warme Kleidung für drinnen ist daher sehr empfehlenswert. Auch Kakerlaken gibt es hier viele, besonders im Sommer und Herbst.
Freizeit, Sport und Nachtleben
Für die Größe von Ponta Delgada ist das Nachtleben überraschend aktiv. Es ist deutlich mehr los als in Stralsund, mit vielen Clubs und Bars. Unisport war leider inaktiv und Beachvolleyball wird kaum gespielt. Fitnessstudios sind mit ca. 35 €/Monat relativ teuer und haben nicht rund um die Uhr geöffnet.
Mein Tipp für Sport: Die kleine Kletterhalle und Chillarea „Permissa“ (20 €/Monat). Das ist der perfekte Ort, um Leute kennenzulernen. Auch Kampfsportvereine wie der „Karate Clube de Ponta Delgada“ sind über Social Media leicht zu finden. Natürlich bieten sich die Azoren zum Surfen an. Die Wellen sind besonders im Winter bei Stürmen sehr gut (Wasser ca. 16 Grad), und Surfschulen wie „BlackSandBox“ bieten faire Preise für Studenten (ca. 20 € pro Kurs).
Highlights und Reisen
Mein absolutes Highlight war die Besichtigung der „Seven Arctic“ von Subsea 7, einem Schwerlast- und Flex-Lay-Schiff. Außerdem die Natur. Grüne Landschaften, kleine Berge und steile Küsten laden zum Wandern ein. Um die Insel São Miguel wirklich zu erkunden, ist ein Mietwagen zu empfehlen, da viele Orte nur so erreichbar sind. Außerhalb der Saison (im Wintersemester) ist die Insel angenehm leer und Mietwagen sind günstig. Ein besonderes Erlebnis war für mich zudem das Whale- und Dolphin-Watching, da sich viele Tiere direkt vor der Küste tummeln.
Wer Zeit hat, sollte auch andere Inseln besuchen. Wenn man sich mit Wohnsitz registriert, erhält man Rabatte auf Flüge.
Fazit
Im Großen und Ganzen kann ich die Universidade dos Açores und das Leben auf São Miguel sehr empfehlen. Das ESN (Erasmus Student Network) veranstaltet öfter Events, was den Anschluss erleichtert. Das Wetter kann zwar schnell wechseln, ist insgesamt aber sehr angenehm.