Erfahrungsbericht

Sebastian B., Master Maschinenbau – Energiesysteme, 3. Semester, Universiti Sains Malaysia (USM), Penang, Malaysia, Wintersemester 2025/26

 

Zwischen Mangroven, Moscheen und tiefgekühlten Hörsälen – Mein Semester in Malaysia

 

Mein Auslandssemester führte mich an die Universiti Sains Malaysia (USM) auf der Insel Penang und ich kann direkt vorwegnehmen: Es war eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums. Nicht unbedingt, weil ich dort besonders viele technische Inhalte gelernt habe, sondern weil man hier realisiert, wie vielfältig die Welt eigentlich ist.

Schon in der Orientierungswoche wurde deutlich, wie international und gastfreundlich der Campus und die Menschen sind. Über 200 Austauschstudierende aus etwa 20 verschiedenen Ländern trafen aufeinander und wurden wirklich außergewöhnlich herzlich empfangen. Neben organisatorischen Briefings gab es auch Einblicke in kulturelle Besonderheiten des Landes: Themen wie Kleidungsvorschriften und getrennte Wohnbereiche sowie Hinweise zu lokalen Gepflogenheiten. Manche davon wirken aus europäischer Sicht zunächst ungewohnt, gehören hier aber ganz selbstverständlich zum Alltag.

Der Campus der USM ist riesig. Die ersten Tage fühlt man sich eher wie auf in einem eigenständigen Städtchen als auf einem Universitätsgelände. Hier gibt es zwei große Standorte: den Main Campus auf der Insel Penang und den etwa 40 Kilometer entfernten Engineering Campus auf dem Festland. Viele Studierende bevorzugen es dorthin zu pendeln und auf dem Hauptcampus zu wohnen, weil auf der Insel deutlich mehr studentisches Leben stattfindet. Und mit Leben meine ich wirklich das Blühende: Fast jeden Abend gibt es Veranstaltungen, studentische Initiativen oder kulturelle Events. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist auch die Anwesenheitspflicht. Diese wird teilweise sehr ernst genommen. Ich habe sogar von Kursen gehört, in denen die Türen geschlossen werden, wenn man zu spät kommt. Gleichzeitig verteilt sich der Arbeitsaufwand stärker über das gesamte Semester. Viele Kurse enthalten sogenannte „Coursework“-Anteile wie Präsentationen, Projekte oder Berichte, die bereits prozentual in die Endnote einfließen. Dadurch ist die Prüfungsphase am Ende deutlich entspannter als an vielen deutschen Hochschulen. 

Gewohnt habe ich im On-Campus-Hostel. Eine Nacht kostet dort etwas über einen Euro, was natürlich fantastisch für das Budget ist. Allerdings sollte man dafür keinen Luxus erwarten. Keine Klimaanlage, kein warmes Wasser und ein spartanisches Doppelzimmer mit Mitbewohner. Die ersten Tage sind für viele Austauschstudierende daher ein kleiner Kulturschock. Einige ziehen tatsächlich nach der ersten Nacht direkt wieder aus. Ich habe mich bewusst für diese Erfahrung entschieden, da man so das authentische malaysische Studentenleben kennenlernen und näher mit den Locals in Kontakt kommen kann. Alternativ wohnen viele Austauschstudierende in einem nahegelegenen, relativ luxuriösen Apartmentkomplex, wo man für etwa 230 € im Monat in eine moderne WG mit Pool und Fitnessstudio einziehen kann.

Was das Leben in Malaysia aber wirklich besonders macht, ist die kulturelle Vielfalt. Das Land vereint malaysische, chinesische, arabische, indische und viele weitere Einflüsse. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig gibt es große buddhistische, hinduistische und christliche Gemeinschaften. Moscheen, Tempel, Kirchen und Klöster liegen hier oft nur wenige Straßen voneinander entfernt. Zu sehen, wie unterschiedlichste Glaubensrichtungen so friedlich nebeneinander existieren, war beeindruckend. Diese Vielfalt spiegelt sich neben den zahlreichen damit verbundenen Festen und Feiertagen auch im Essen wider und das ist in Penang ein echtes Highlight. Besonders der Stadtteil Georgetown gilt nicht ohne Grund als eine der kulinarischen Hochburgen Südostasiens. An jeder Ecke findet man kleine Essensstände, Nightmarkets oder Cafés. Einfacher gebratener Reis mit Ei bekommt man schon für etwa 8 Ringgit (ca. 1,75 €). Und egal wo man probiert, ob chinesisch, indisch, malaysisch, arabisch oder thailändisch – es schmeckt erstaunlich oft hervorragend. 

Neben dem Studium gab es viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Ich durfte beispielsweise bei einem Nachhaltigkeitsprojekt helfen, Mangrovenbäume zu pflanzen und Recyclingprodukte herzustellen. Außerdem habe ich traditionelle Musikinstrumente kennengelernt, an einem Charity-Color-Run teilgenommen und eine Klinik für Kinder mit Zerebralparese besucht. Gerade solche Aktivitäten machen den Aufenthalt noch einmal deutlich vielseitiger und erweitern den Blick über den eigenen Tellerrand. 

Das Klima in Malaysia ist konstant warm, meistens um die 30 °C bei recht hoher Luftfeuchtigkeit. Der eigentliche Temperaturschock passiert allerdings in den Hörsälen. Diese werden auf etwa 16 °C heruntergekühlt. Wenn man also gerade aus tropischer Hitze kommt, fühlt sich eine Vorlesung schnell wie ein Besuch im Kühlregal an. Mein wichtigster Tipp für zukünftige Studierende lautet deshalb: immer einen Pullover im Rucksack haben. Auch die Regenzeit ist weniger dramatisch als man vielleicht erwartet. Zwar gibt es teilweise starke Regenfälle, diese treten aber häufig am Abend oder in der Nacht auf. Ein Regenschirm gehört trotzdem zur Standardausrüstung, oft eben auch als Sonnenschutz.

Ein Auslandssemester in Malaysia ist weit mehr als nur ein Studium im Ausland. Es ist vor allem eine intensive kulturelle Erfahrung. Wer bereit ist, seine gewohnten Standards etwas herunterzuschrauben und offen auf Menschen zuzugehen, kann hier unglaublich viel lernen: über andere Lebensweisen, andere Perspektiven und letztlich auch über sich selbst. Gerade für uns Europäer ist es sehr wertvoll zu erkennen, dass unsere Denkweise nur ein kleiner Teil einer viel größeren Welt ist. Malaysia hat mir gezeigt, wie vielfältig diese Welt sein kann. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und dafür, dass Programme wie Erasmus solche Aufenthalte ermöglichen. Allen Studierenden, die den Wunsch verspüren nicht nur mehr zu sehen, sondern auch über sich selbst hinaus zu denken, kann ich ein Auslandssemester hier nur wärmstens empfehlen. Und wer bereit ist, sich selbst bei 30 Grad warm anzuziehen, wird sich an der USM schnell wohlfühlen.