


Erfahrungsbericht
Phillip F., Medizintechnische Systeme M.Sc., 3. Semester, Universiti Sains Malaysia (USM), Penang, Malaysia, Wintersemester 2025/26
„50 % Studium, 50 % Abenteuer“ – Mein Erasmus-Semester in Malaysia
Auf die Universiti Sains Malaysia (USM) stieß ich über das Outgoing-Portal meiner Hochschule. Da ich bereits einige Länder in Asien bereisen durfte, war ich sofort begeistert von der Möglichkeit, ein Semester in Malaysia zu verbringen – ein Land, das bis dahin noch nicht auf meiner Reiseliste stand. Besonders überzeugte mich die Kombination aus renommierten Studienangeboten, internationalem Campus und der spannenden kulturellen Vielfalt des Landes.
Beim Bewerbungsprozess richtete ich mich nach den Leitfäden auf der Hochschulwebsite. Ich stand in engem Austausch mit Frau Tokaji vom Outgoing Office sowie mit der Koordinatorin der USM. Der Prozess war durchaus von Bürokratie geprägt – von Bewerbungsunterlagen über Learning Agreement bis hin zu Visumsangelegenheiten. Dennoch fühlte ich mich zu jeder Zeit gut betreut. Bei Fragen erhielt ich schnell Unterstützung, was den organisatorischen Aufwand deutlich erleichterte.
Zur Vorbereitung recherchierte ich intensiv über Malaysia, die Kultur, das Leben in Penang und natürlich über die Universität selbst. Besonders hilfreich war, dass mich ein Kommilitone und guter Freund begleitete. Wir durchliefen den gesamten Bewerbungsprozess gemeinsam und konnten uns gegenseitig unterstützen. Allein der Austausch während der Organisation war eine wertvolle Vorbereitung auf das bevorstehende Semester.
Bereits vor unserer Anreise waren wir über WhatsApp-Gruppen der Partneruniversität mit anderen Austauschstudierenden vernetzt. So wurde ich frühzeitig von einer bestehenden WG angeschrieben und eingeladen. Ich zog schließlich in das ArteS Condominium, wo ich mit zwei weiteren Mitbewohnern lebte. Für mich gestaltete sich die Wohnungssuche daher sehr unkompliziert.
Generell gibt es in Penang zahlreiche sogenannte „Condos“ – Wohnanlagen mit Sicherheitsdienst, Pool und Fitnessraum – sowie spezielle Studierendenapartments. Wer sich frühzeitig informiert und vernetzt, findet in der Regel problemlos eine passende Unterkunft.
Malaysia zeichnet sich durch eine beeindruckende kulturelle Vielfalt aus. In Penang – insbesondere in George Town – treffen malaiische, chinesische und indische Einflüsse unmittelbar aufeinander. Diese Mischung zeigt sich in Architektur, Festen, Traditionen und vor allem im Essen. Historische Kolonialbauten stehen neben chinesischen Tempeln und hinduistischen Schreinen.
Auch religiös ist Malaysia sehr vielfältig. Der Islam ist Staatsreligion, dennoch herrscht in Penang ein friedliches Nebeneinander verschiedener Glaubensrichtungen. Moscheen, buddhistische Tempel, hinduistische Heiligtümer und christliche Kirchen befinden sich oft in unmittelbarer Nähe.
Der Studienalltag war flexibel gestaltbar, da man seine Kurse selbst wählen konnte. Dadurch ließ sich der Stundenplan oft so legen, dass ein verlängertes Wochenende entstand. In der Praxis bedeutete das für mich: etwa 50 % der Woche Universität und 50 % Reisen, Kultur und neue Erfahrungen.
In meiner Freizeit reiste ich viel innerhalb Malaysias, besuchte lokale Festlichkeiten und erkundete die Insel Penang. Besonders genoss ich das vielfältige und authentische Essen. Penang gilt als kulinarisches Zentrum des Landes – Streetfood-Märkte und Hawker-Stalls bieten eine enorme Auswahl an Gerichten zu günstigen Preisen. Die Kombination aus tropischem Klima, Stränden, kulturellen Sehenswürdigkeiten und kulinarischer Vielfalt machte jede freie Minute besonders wertvoll.
In Malaysia werden mehrere Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Bahasa Melayu (Malaiisch), daneben sind Chinesisch (vor allem verschiedene Dialekte wie Hokkien) und Tamil weit verbreitet.
Mit Englisch kommt man jedoch hervorragend zurecht. Die Kurse an der USM fanden auf Englisch statt, und auch im Alltag – in Geschäften, Restaurants oder im öffentlichen Verkehr – konnte ich problemlos auf Englisch kommunizieren. Sprachbarrieren hatte ich daher kaum.
Ich hatte ein sehr gutes soziales Umfeld. Durch die Austauschprogramme lernte ich schnell viele internationale Studierende kennen. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, unternahmen Reisen, kochten gemeinsam oder erkundeten die Insel. Diese internationalen Freundschaften bereicherten das Semester enorm und machten die Zeit unvergesslich.
Das Studium an der Universiti Sains Malaysia war anders strukturiert als in Deutschland. Vieles empfand ich als etwas entschleunigter, gleichzeitig jedoch sehr praxisnah und lehrreich. Ich belegte insgesamt drei Kurse. Die Bewertung setzte sich aus verschiedenen Komponenten wie Präsentationen, Gruppenarbeiten und Prüfungen zusammen. Der kontinuierliche Leistungsnachweis während des Semesters sorgte dafür, dass man stets am Ball blieb.
Die Infrastruktur in Penang ist gut ausgebaut. Mit Bus und Zug kommt man zuverlässig ans Ziel. Innerhalb der Stadt nutzte ich häufig die App „Grab“, die ähnlich wie ein Taxi- oder Fahrdienst funktioniert und sehr erschwinglich ist. Auch längere Reisen innerhalb Malaysias sind durch günstige Inlandsflüge oder Fernbusse unkompliziert möglich.
Ich empfehle: Rechtzeitig mit dem Bewerbungsprozess beginnen, bei Fragen immer die Ansprechpartner kontaktieren, offen auf Menschen zugehen und nicht schüchtern sein, frühzeitig mit anderen Austauschstudierenden vernetzen (z. B. über WhatsApp-Gruppen), jede Gelegenheit nutzen, um das Land und die Region zu entdecken.
Mein Erasmus-Semester in Malaysia war eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums. Die Mischung aus akademischer Weiterbildung, kultureller Vielfalt und Reisemöglichkeiten machte den Aufenthalt einzigartig. Ich kann ein Auslandssemester an der Universiti Sains Malaysia jedem empfehlen, der offen für neue Kulturen ist und Studium mit Abenteuer verbinden möchte. „50 % Studium, 50 % Abenteuer“ beschreibt meine Zeit in Penang wohl am besten.