Erfahrungsbericht

Pauline S., International Management Studies in the Baltic Sea Region, 6. Semester, Technische Gediminas-Universität Vilnius (Litauen), SoSe 2026

 

Ich wollte mal wieder einen Winter mit viel Schnee!

 

Entscheidungsprozess

Als es an der Zeit war, sich für ein Land und eine Universität zu entscheiden,  habe ich meine Wahl von zwei Faktoren abhängig gemacht: der Meinung und Erfahrung unserer Studienkoordinatorin und den Möglichkeiten der jeweiligen Stadt, dort meine Hobbys und Interessen auszuleben. Ich habe also Städte mit Google Maps danach beurteilt, ob sie gute Restaurants, viele Second-Hand-Läden und Museen haben. Vilnius hat mich dann mit dem Ski-Berg direkt neben der Stadt überzeugt. Um mich für eine Uni zu entscheiden, habe ich dann geschaut, dass eine große Auswahl englischer Kurse angeboten wird, und so bin ich bei der Vilnius Tech gelandet. 

Bewerbungsprozess

Für den Bewerbungsprozess selbst ist mein größter Tipp, dass ihr die Fristen immer im Kopf habt und eine E-Mail benutzt, mit der ihr mit Sicherheit E-Mails aus dem Ausland erhaltet. Meine private Outlook E-Mail hat die Einladungs-E-Mail aus Litauen blockiert, ich habe die Bewerbungsfrist verpasst und musste meinen Auslandsaufenthalt um ein Semester verschieben. Mittlerweile bin ich darüber sehr froh, da ich so vom tiefsten Winter mit -20 °C bis Hochsommer mit 30 °C alles erlebt habe. 

Wohnungssuche

Da ich wusste, dass eine Freundin aus meinem Studiengang auch nach Vilnius geht, haben wir beschlossen zusammen eine Wohnung zu suchen. Ich habe in vielen Facebook-Gruppen eine kurze und nette Anzeige gepostet und mir haben verschiedene Vermieter geantwortet. Das Ziel war eine Wohnung, die zwischen unseren beiden Universitäten liegt, und ich hab relativ schnell eine passende gefunden, für die wir zusammen 550€ im Monat gezahlt haben (normaler Preis ist aber eher 300-400€ pro Person). 

Kultur/Alltag

In Litauen gibt es viel mehr Feste und vor allem heidnische Feste als bei uns. Jeden Monat gibt es ein neues Ereignis, das mit Märkten in der ganzen Stadt gefeiert wird. Den Zusammenhalt zu den anderen baltischen Staaten und der Ukraine fühlt man sehr stark. Der Umgang miteinander ist eher kühl, aber respektvoll und ich habe mich als junge Frau immer sicher gefühlt. Was die Kommunikation angeht, musste ich jedoch manchmal kreativ werden, da vor allem die ältere Generation kein Englisch spricht. 

Sicherheit

Die Frage, die vermutlich viele beschäftigt, ist, wie sicher Litauen in Bezug auf Russland ist. Litauen wie auch die anderen baltischen Staaten ist sehr vorsichtig. Es gibt eine App, die über alles aufklärt und Handyalarme, falls ein Risiko besteht. Einen gelben Alarm habe ich auch miterlebt. Dieser bedeutet, dass eine Gefahr im Luftraum der benachbarten Länder besteht. In diesem Fall war es eine Drohne und der Alarm wurde eine Minute vor einer Klausur geschaltet. Es sind dann alle in den Keller gegangen, haben 20 Minuten auf die Entwarnung gewartet und die Klausur wurde danach trotzdem geschrieben… Das war auch eigentlich der einzige direkte Berührungspunkt mit dem Krieg, den ich hatte.

Infrastruktur

In Vilnius fährt wirklich alle 5  Minuten ein Bus und ein Highlight sind auch die alten Trolley-Busse aus den 80er Jahren, die vereinzelt immer noch in Betrieb sind. Als Student bekommt man 80% Rabatt auf Verkehrsmittel in Vilnius und 50% auf Zugtickets in Litauen. Zum Rote Bete Festival gab es sogar Züge, die komplett pink von innen waren. Was Architektur angeht, findet man einen wilden Mix aus modernen Gebäuden und Plattenbau aus Sowjetzeiten.

Studium

Die Vilnius Tech war für mich definitiv die richtige Wahl. Die Uni hat sehr viele internationale Studenten und hatte ein sehr tolles Programm in den ersten Wochen, um sich kennenzulernen. Ich habe zwar nicht sehr viele litauische Freunde gemacht, dafür gab es aber (wie so oft) viele weitere Deutsche. Das Aufgabenpensum war unter dem Semester ein wenig höher als das, was ich gewohnt bin. Dafür waren die Prüfungen dann alle Ankreuztests. Die Kurse waren definitiv interessant und ich habe viel Neues gelernt. Ich hatte auch die Möglichkeit, im ESN-Netzwerk zu sein. Dieses Netzwerk organisiert z.B. Reisen mit Studenten Rabatt und ich bin mit anderen Studenten nach Lappland gereist (definitiv zu empfehlen!!!).

Freizeit und Tipps

Anfangs musste ich mich erstmal an den Winter im Ostblock gewöhnen (mit Schneebergen, die größer waren als ich). Im Frühling ist die ganze Stadt voller Blüten und es gibt viel Natur (Vilnius war 2025 die grüne Hauptstadt Europas). Im Sommer kann ich den Badesee Green Lakes nördlich der Stadt empfehlen. In der Stadt gibt es alles, was man sich von einer Großstadt wünscht, aber trotzdem ist Vilnius relativ klein. Es gibt tolle Studentenbars (Būsi Trečias, +++), vegane Restaurants (Rosehip vegan Bistro, Sweet Love Cafe) und viele Museen (die am letzten Sonntag jeden Monats kostenlos sind). Die Kinos zeigen hauptsächlich Filme auf Englisch und kosten nicht mehr als 5€. An alle second-hand Fans: Jeden Freitag und Samstag sind alle Humanas stark reduziert (1-3€ pro Teil). Von Vilnius aus kann man auch gut Ausflüge in umliegende Städte machen. In Klaipeda kann ich sehr empfehlen mit einem Leihfahrrad über die kurische Nehrung zu fahren und die Dünen und den endlosen Strand zu bewundern. 

Ich bin sehr glücklich über die Möglichkeiten die Erasmus bietet und empfehle allen ein Auslandssemester zu machen. Vilnius hat meine Erwartungen übertroffen!