


Erfahrungsbericht
Chiara Boslau, LTM, 5. & 6. Fachsemester, Università degli Studi di Sassari
Sardinien: Studieren in der europäischen Karibik
Bewerbungsprozess und Wohnungssuche
Als die Bestätigungsmail von Erasmus kam, dass ich zwei Semester an der Universität auf Sardinien studieren darf, war die Freude groß. Die Kommunikation mit Italien rund um das Learning Agreement und weitere bürokratische Details verlief bis auf kleine Ausnahmen überraschend gut. Ein kleiner Stressfaktor war jedoch das relativ späte Hochladen des aktuellen Kursangebots der italienischen Uni, welches nur wenige Tage vor der Abgabefrist des Learning Agreements war. Doch danach kam das größere Problem: wo soll ich wohnen? Da der Tourismuszweig der Universität nicht in Sassari, sondern in Olbia war, gab es für Studenten nicht so viele bezahlbare Unterkünfte. Es gibt zwar ein Studentenwohnheim, dieses hat jedoch auch nach mehrfachem Anschreiben nicht geantwortet und im Nachhinein würde ich es eher weniger empfehlen, da es ziemlich außerhalb ist und den Weg zur Uni eher erschwert als erleichtert. Auch in die Stadt kommt man nicht immer, da am Sonntag keine Busse bis zum Wohnheim fahren. Letztendlich fand ich zum Glück eine Wohnung auf „Idealista“, welche mitten in der Altstadt war.
Mein Alltag in der Uni
Als ich das erste Mal gehörte habe, wo sich die Uni in Olbia befindet, war ich erstmal sehr überrascht, denn dass ich mal in einem Flughafengebäude studieren würde, hätte ich nicht gedacht. Tatsächlich befindet sich die Tourismus Fakultät in der ersten Etage des Flughafens in Olbia. Es ist eine sehr kleine Uni mit wenigen Studenten, da nur die Kurse des Tourismus Bachelors und Masters angeboten werden. Die Kurse im Bachelorstudiengang werden alle auf Italienisch angeboten, man hat jedoch die Möglichkeit Prüfungen auch auf Englisch zu machen. Es gibt eine Study Area, welche jedoch nicht für jeden etwas ist, da aller 10 Minuten die Durchsage kommt, dass man doch bitte sein Handgepäck nicht unbeaufsichtigt lassen soll. In den Vorlesungsräumen hört man diese aber nicht, allerdings besteht die Möglichkeit, dass man ab und zu ein startendes Flugzeug hört. Von der Altstadt ist es sehr einfach mit dem Bus zur Uni zu kommen und die Tickets liegen mit 1 Euro pro Fahrt deutlich unter dem, was ich aus Deutschland gewohnt war. Man kann sich jedoch auch ein Monats- oder ein Jahresticket ausstellen lassen, ich hatte mich für ein Monatsticket für 17 Euro entschieden, da dies für mich günstiger war. Es gibt in der Altstadt noch ein Student Hub, welches zum Lernen genutzt werde kann, mehr stand den Studenten in Olbia allerdings nicht zur Verfügung, was die Uni angeht.
Leben auf Sardinien
Olbia ist eine kleine Küstenstadt, welche alles hat, was man im Alltag so braucht: viele Cafés, Restaurants und Bars und natürlich die Nähe zu wunderschönen Stränden. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Sommer und Winter, während im Sommer alles voller Touristen ist und sehr lebendig wirkt, ist die Stadt im Winter menschenleer und sehr ruhig. Wenn man mehr von der Insel sehen möchte, braucht man jedoch ein Auto, da der Großteil der Insel nicht anderweitig erreichbar ist. Es gibt zwar Zug- und Busverbindungen, jedoch sind diese eigentlich immer unpünktlich und sie bringen einen auch nicht überall hin. Neben dem Baden im türkisblauen Wasser, kann man in seiner Freizeit auf Sardinien auch sehr gut wandern gehen und abends ein Agriturismo besuchen, wo typisch sardisches Essen serviert wird.
Erasmus
Da Olbia nicht der Hauptstandort der Universität von Sassari ist, gibt es deutlich weniger Erasmusstudenten. In meinem Auslandssemester waren wir zu dritt in Olbia, 2 im Master- und ich im Bachelorstudiengang und wir wohnten sogar zusammen. Dies gab mir jedoch auch die Möglichkeit viel mit den Locals zu sprechen und so meine Sprachkenntnisse zu verbessern und Geheimtipps zu bekommen, was es in der Umgebung alles zu erkunden gibt. Das Erasmus Netzwerk ESN organisiert zwar viel, jedoch nur in Sassari und Umgebung und nie in Olbia. Und die ständigen Zugfahrten wären auf Dauer zu teuer, dafür dass man in Sassari auch zusätzlich noch einen Schlafplatz bräuchte.
Fazit
Ich persönlich habe mein Auslandsjahr sehr genossen, viel von Sardinien sehen können und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Jedoch ist es eine Erfahrung, die vielleicht auch nicht für jeden etwas ist, da Olbia keine Großstadt mit viel Trubel ist, sondern eher eine typisch italienische Küstenstadt. Wer also Party sucht und mit vielen anderen Erasmusstudenten aus aller Welt connecten möchte, für den wäre Sardinien wohl eher nichts. Ich würde es jedoch immer wieder genauso machen und bin dankbar für die schöne Erfahrung und die Menschen, die ich kennengelernt habe.