


Erfahrungsbericht
Johanna K., Leisure and Tourism Management, 6tes Semester, Hochschule Roskilde, Dänemark, 29.01. bis 26.06. 2026
Teuer, Teurer, Dänemark
In meinem Prozess zur Auswahl des Auslandssemesters war eine der größten Faktoren die einfache Unterkunftssuche. Ich hatte keine Lust, mich wochenlang darum zu sorgen, wo ich in einem fremden Land wohnen sollte. Die Hochschule in Roskilde (nicht zu verwechseln mit der Universität Roskilde) hatte mich dabei angesprochen. Ich wusste, dass das Zimmer bereitgestellt und damit die unsichere Suche nach einem Zuhause gestrichen werden würde. Was das für eine fragwürdige Unterkunft das werden würde, wusste ich bis dahin noch nicht. Ich habe mich also als Zweitwahl dort beworben und es auch bekommen.
Die Wohnungssuche ist dementsprechend weggefallen und auch der Umzug war für mich kein Problem, da meine Eltern mich mit der Fähre rübergebracht haben.
In Dänemark angekommen, wurde ich erstmal vom Wohnheim geschockt. Roskilde ist eine kleine Stadt neben Kopenhagen, und 20 Minuten vom Bahnhof Roskilde entfernt stehen die Hochschule Roskilde sowie das ZBC, welches mein neues Zuhause wurde. Das ZBC ist eine Art Ausbildungsstätte, sowie Bildungszentrum. Mit rund 150 Zimmern für Übernachtungen, vielen langen Korridoren, Konferenz- und Lernzimmern, einer Schlachterei, Chefkochküchen und mehr. Die Menschen in dem Wohnheim haben sich also alle paar Wochen geändert und Tagesgäste gab es auch noch.
Unser Korridor (Floor 700) war der heruntergekommenste im gesamten Gebäude. Flecken an Möbeln, Wänden und Decken, verkalkte Fliesen, verstopfte Duschen und Waschbecken sowie ein muffiger Geruch prägten den Alltag. Während die übrigen Zimmer bereits renoviert waren, wurden alle internationalen Studierenden der Hochschule Roskilde im alten Korridor 700 untergebracht.
Wir nannten das ZBC deshalb „the prison“. Neben der ungepflegten Atmosphäre waren vor allem die strengen Regeln frustrierend: kein Rauchen, kein Alkohol, kaum Besucher, keine Übernachtungsgäste und mehr. Zwar wurden diese Regeln von manchen missachtet, aber ob man es riskieren möchte, rauszufliegen, ist eine andere Frage.
Die Unterkunft kostete 670 € pro Monat, inklusive Frühstück, Mittag- und Abendessen von Montag bis Freitag. Für Vegetarier war das Essensangebot allerdings oft eintönig oder gewöhnungsbedürftig. Besonders picky-eatern würde ich diese Unterkunft daher nicht empfehlen.
Die Essenszeiten waren dazu auch sehr früh. Frühstück bis 08:15 und Abendbrot gab's um 17 Uhr. Am Wochenende hatte die Mensa zu und man hat selbst in einer Küche gekocht. Diese wurde von allen internationalen Studenten und Langzeitgästen im ZBC geteilt. Die Küche sah am Sonntagabend dementsprechend aus.
Das ZBC war also nicht die beste Unterkunft, jedoch ist es nur sehr schwer, andere zu finden. Die Wohnungen haben meistens einen Mindestmietzeitraum von einem Jahr und WGs können sehr teuer werden. Ein Kommilitone hatte sich eine Wohnung mit 7 anderen Menschen in Kopenhagen geteilt und trotzdem 800€ Miete gezahlt + Lebensunterhalt, was auch sehr hoch sein kann. So kostet ein Espresso im Schnitt 4 € und ein Auswärtsessen traut man sich erst gar nicht.
Die Hochschule hatte auf jeden Fall ein anderes System als bei uns. Die Kurse wurden in Monate aufgeteilt. In den ersten zwei Monaten hatte ich zwei Kurse. Also nur zweimal die Woche Unterricht von 09:10 Uhr bis 14:50 Uhr. Die Kurse waren gut zu verstehen und der Stoff war simpel. Da wir die Kurse kaum wählen konnten, habe ich gezwungenermaßen Kurse belegen müssen, welche ich schon im Semester zuvor belegt hatte. Daher wurde meine Lernexperience eher eintönig und langweilig.
Die Examen hatten zwar wenig Lernaufwand, da sie immer projektbezogen waren, aber sie wurden trotzdem hart bewertet. Ein Examen könnte zum Beispiel ein 3-seitiges Paper sein + eine 5-minütige Präsentation über das selbst gewählte Thema + eine 10-minütige Fragerunde mit den Professoren. Wenn man ein Thema gewählt hat, welches einen interessiert, hat man jedoch gute Chancen auf eine zufriedenstellende Note.
Außerhalb der Kurse hatten wir viel Freizeit, aber durch die Preise für die einfachsten Unternehmungen wurde es schnell sehr teuer. Man hat dementsprechend auch viel zu Hause gesessen. Dazu waren die Dänen nicht gerade offen. Ich habe in 6 Monaten mit vielleicht 3 Dänen geredet. Andere Studenten hatten da mehr Glück, weil ihre Kurse mehr Gruppenarbeiten erforderten und die Studenten dort offener waren.
Meine Freunde waren daher alle Internationals. Dabei war der Korridor 700 sehr praktisch. Man konnte klopfen und vorbeischauen und zum Ende hin haben wir jeden Abend Karten gespielt oder waren am Wochenende feiern. Das ging jedoch fast nur in Bars, weil die meisten Klubs in Kopenhagen eine Altersbeschränkung ab 23 Jahren haben.
Tages-Trips nach Kopenhagen lohnen sich jedoch umso mehr. Es ist die lebenswerteste Stadt Europas und das merkt man. Auch wenn die Dänen selber sehr verschlossen sind, ist die Stadt lebendig und sehr international. Jeder kann Englisch und jede Anzeige im Zug, Café, Museum oder wo auch immer, ist sowohl auf Dänisch als auch auf Englisch. Sprachbarrieren gab es nicht. Tagestrips nach Odense oder nach Schweden lohnen sich ebenfalls.
Um aber auf den Punkt zu kommen: Auf dem Papier ist die Hochschule Roskilde nicht empfehlenswert. In der Uni habe ich kaum was Neues gelernt, die Unterkunft war fragwürdig, das Essen schlecht und die Dänen wollen nicht mit dir reden. Trotzdem würde ich es immer wieder so machen. Die gemeinsame Zeit mit den anderen Erasmus Studies war großartig. Die Freundschaften und der kulturelle Austausch waren wirklich schön. Jede Mahlzeit wurde zusammen gegessen, und an die Kartenspiele und Insiderwitze werde ich mich immer erinnern.
Die Menschen machen das Erlebnis, aber genau das würde ich auch kritisieren. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die anderen so offen und großartig sind, wie sie es bei mir waren. Vielleicht weil man selbst auch kein extrovertierter Mensch ist. Dementsprechend empfehle ich Roskilde nicht weiter, auch wenn ich meine Zeit dort immer im Herzen tragen werde.