





Erfahrungsbericht
Praxissemester in Italien
Jonas S., Maschinenbau Bachelor, Italien, BYB Tech
Es ist schon erstaunlich, wie aus einer Schnapsidee ein mehr als halbjähriger Aufenthalt in Italien entstehen kann. Bei einem Bier mit einem Freund sprachen wir über den frustrierenden Bewerbungsprozess. Eher aus Spaß brachte ich BYB Tech als möglichen Praktikumsbetrieb ins Spiel und meinte, ich könnte einfach einmal den Support kontaktieren. Wirklich ernst gemeint war die Idee zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht.
Gesagt, getan. Am nächsten Morgen schrieb ich dem Support eine kurze Nachricht und fragte nach einem Praxissemester. Keine 24 Stunden später antwortete mir der Chef persönlich. Unkomplizierter hätte der Bewerbungsprozess kaum sein können. Aus der spontanen Idee wurde schnell ein konkreter Plan: Für mein Praxissemester würde ich nach Italien ziehen.
Da Italien Teil der EU ist, hielten sich die bürokratischen Hürden in Grenzen. Erasmus-Förderung, Unterkunft und Anreise mussten organisiert werden, danach konnte es losgehen. So tauschte ich das graue deutsche Januarwetter gegen mildere Temperaturen, italienischen Kaffee und den Blick auf schneebedeckte Berge nahe des Gardasees.
Ankommen in einer neuen Umgebung
Die ersten Wochen erinnerten mich stark an mein Auslandssemester in Chile: eine Stadt, die ich nicht kannte, eine Sprache, die ich nicht sprach, neue Menschen und das Gefühl, noch nicht genau zu wissen, was in den nächsten Monaten auf mich zukommen würde. Gleichzeitig gab es diesmal einen entscheidenden Unterschied: Ich kam nicht als Student nach Brescia, sondern als Praktikant.
Dieser Unterschied wurde mir schnell bewusst, da der Arbeitsalltag einen deutlich festeren Rhythmus vorgibt. Gerade am Anfang fehlte mir nach der Arbeit oft die Energie zum socializen. Mit der Zeit etablierte sich jedoch der gemeinsame Basketballabend mit anderen Erasmus-Studierenden. So entstanden neue Bekanntschaften und Freundschaften, während ich gleichzeitig Menschen aus verschiedenen Ländern kennenlernte, neue Städte besuchte und immer mehr Einblicke in die italienische Lebensweise bekam.
Mein Arbeitsalltag bei BYB Tech
Da BYB Tech ein kleines Unternehmen ist, wurde ich schnell zu einem vollwertigen Teil des Teams. Statt ausschließlich klassische Praktikantenaufgaben zu übernehmen, wurde ich in verschiedene Projekte und teilweise auch direkt in Entscheidungsprozesse eingebunden.
Besonders positiv empfand ich, dass meine Meinung tatsächlich gefragt war. Mein Chef bezog mich regelmäßig in Entscheidungen ein und fragte nach meiner Einschätzung. Dieses Vertrauen führte dazu, dass ich mich stark mit dem Unternehmen identifizierte. Wenn die eigene Arbeit spürbaren Einfluss hat, verändert sich auch die Einstellung dazu – irgendwann fühlte es sich ein Stück weit wie „meine Firma“ an. Ebenfalls als sehr spannend fand ich als Maschinenbaustudent die Aufgaben im Bereich Social-Media-Content. Damit hatte ich vor meinem Praktikum kaum Berührungspunkte. Plötzlich stand ich selbst vor der Kamera und half dabei, technische Produkte für Social Media zu präsentieren.
Wenn das eigene Hobby plötzlich Arbeitszeit ist
Eine der größten Besonderheiten meines Praktikums war die Verbindung zwischen meiner Arbeit und meinem persönlichen Hobby, dem Mountainbiken. Ich meine wie geil ist es denn bitte radln als Arbeitszeit auszugeben, da man Produkte testet oder videos für Instagram filmen soll?
Auch außerhalb der eigentlichen Arbeit hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Chef und meinen Kollegen. Wir waren gemeinsam Fahrradfahren und besuchten Bikeparks. Dadurch verschwamm die Grenze zwischen Kollegen und Freunden teilweise sehr schnell. Das gemeinsame Hobby sorgte für eine Verbindung, die weit über den normalen Arbeitsalltag hinausging.
Ein absolutes Highlight war außerdem die Möglichkeit, als technischer Support zu zwei Downhill World Cups mitzufahren. Dadurch konnte ich nicht nur die Rennen erleben, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen des professionellen Mountainbike-Sports werfen. Fahrerinnen und Fahrer, die ich vorher nur aus dem von YouTube kannte, standen plötzlich direkt vor mir. Teilweise hatte ich sogar die Möglichkeit, mit ihnen zu schnacken. Somit will ich hiermit nochmal jedem Leser ans Herz legen, in einem Bereich zu arbeiten, für den man sich auch privat begeistert. Versucht es eure eigenen Interessen oder Hobbys mit dem beruflichen Umfeld zu verbinden. Wenn das gelingt, kann sich die Arbeit vollkommen anders anfühlen. Kollegen werden zu Freunden und gemeinsame Ausflüge entstehen fast automatisch.Das tägliche Mittagessen auf der Arbeit war dabei eines meiner persönlichen Highlights. Ich weiß nicht, wer von den Lesern schon einmal das Privileg hatten, regelmäßig von einer italienischen Oma bekocht zu werden – aber viel mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Die Erwartungen an italienisches Essen wurden jedenfalls nicht enttäuscht. Auch kleine Gesten, wie frische Feigen aus dem Garten eines Kollegen, machten den Alltag besonders. Essen hat in Italien einen hohen Stellenwert und ist deutlich stärker Teil des sozialen Lebens.
Was von meinem Praxissemester bleibt
Rückblickend war mein Praxissemester in Italien weit mehr als nur ein verpflichtender Teil meines Studiums. Ich sammelte nicht nur Berufserfahrung, sondern lernte auch ein neues Land, viele Menschen und eine andere Lebensweise kennen.
Besonders wertvoll war für mich die Arbeit in einem kleinen internationalen Unternehmen, in dem ich Verantwortung übernehmen und mein Studium mit meiner Begeisterung für den Mountainbike-Sport verbinden konnte. Auch außerhalb der Arbeit prägte mich die Zeit durch neue Freundschaften, Reisen und die italienische Lebensart.
Natürlich gehörten auch weniger schöne Erfahrungen wie die Unterkunft, die sommerliche Hitze oder der anfangs schwierige Aufbau neuer Kontakte dazu. Gerade dadurch wurde der Aufenthalt jedoch auch zu einer persönlichen Erfahrung.
Am Ende entstand aus einer eher scherzhaft formulierten Nachricht an den Support ein Aufenthalt, an den ich mich noch lange erinnern werde – und eine Entscheidung, die ich jederzeit wieder treffen würde. des sozialen Lebens.
Tipps
• Ausführliche Recherche zu Wohnungen macht man am besten vor Ort, sprecht mit
den Leuten
• Arbeiten kann darf auch Spaß machen, versucht euer Hobby in den Beruf zu
integrieren
• Folgt der lokalen ESN Gruppe und nehmt an Aktivitäten teil, so lernt ihr easy Leute
kennen
• Genießt die Zeit und unternehmt so viel ihr könnt, die Zeit geht leider schneller
vorbei als man denkt