„Seit 1911 feiern wir den Internationalen Frauentag“, erinnert die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Stralsund Silke Krumrey, „damals kämpften Frauen für bessere Arbeitsbedingungen, politische Teilhabe und Lohngleichheit – Themen, die uns bis heute begleiten. Doch wir können auch auf beeindruckende Fortschritte blicken.“
In den vergangenen Jahrzehnten wurden entscheidende Meilensteine erreicht: Mehr Frauen als je zuvor sind heute in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik vertreten, Gleichstellungsgesetze wurden gestärkt, familienfreundlichere Arbeitsmodelle ausgebaut und Fragen von Diversität und Chancengerechtigkeit sind zu selbstverständlichen Bestandteilen gesellschaftlicher Debatten geworden. Weltweit machen Aktionen rund um den Internationalen Frauentag auf Frauenrechte aufmerksam – und feiern zugleich die Erfolge der Frauenrechtsbewegung.
„Wir sehen positive Entwicklungen, gerade auch im Hochschulbereich“, betont sie. Gleichstellungsgesetze, transparente Berufungsverfahren, Mentoring-Programme und gezielte Nachwuchsförderung haben dazu beigetragen, strukturelle Hürden abzubauen und machen Hochschulen zu geschützten Orten der Vielfalt und Chancengleichheit. Dennoch bleibe die Aufgabe aktuell: „Wir sind auf einem guten Weg – aber echte Gleichberechtigung ist noch nicht vollständig erreicht - die spannende Frage für uns Frauen bleibt „Wo wären wir, wenn wir Männer wären – auf der gleichen Position?“.“
Frauenförderprogramme seien dabei weniger als „Sondervorteil“ zu verstehen, so Silke Krumrey, sondern vielmehr als Instrumente, um bestehende Benachteiligungen auszugleichen. „Es geht nicht darum, Frauen bevorzugt zu behandeln, sondern darum, faire Bedingungen zu schaffen.“ Denn Ungleichheiten beginnen oft subtil – durch Rollenbilder, Sprache oder stereotype Zuschreibungen wie „Mathe ist nichts für Mädchen“ oder „Lass das mal die Jungs machen“. Solche Denkmuster würden zunehmend hinterfragt, etwa durch gendersensible Bildung, Vorbilder in MINT-Fächern und eine bewusste Auseinandersetzung mit Vielfalt schon in der Schule. Es geht also eher darum, den gleichberechtigten „Zugang“ schaffen, so dass Arbeitsweisen und Entscheidungen von unterschiedlichen Denkweisen, Kommunikationsstilen und Perspektiven profitieren.
Deshalb wird der Internationale Frauentag auch an der Hochschule Stralsund bewusst gefeiert – als Zeichen der Anerkennung, der Vernetzung und des gemeinsamen Engagements. Am 9. März lädt ein Get-together für Mitarbeiterinnen dazu ein, sich über aktuelle Gleichstellungsthemen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu setzen. Denn Gleichstellung sei kein abgeschlossener Prozess, sondern eine gemeinsame Zukunftsaufgabe – mit vielen Erfolgen, auf die aufgebaut werden kann.
