Theoretisch sind Mädchen und Jungen heute frei in ihrer Berufswahl. In der Praxis jedoch schränken Vorurteile, Stereotype und nicht zuletzt fehlende Vorbilder diese Freiheit noch immer ein. Das zeigen internationale Statistiken zu Publikationen, Beförderungen und Einstellungspraxen ebenso wie die nach wie vor ungleiche Repräsentanz von Frauen in vielen wissenschaftlichen Disziplinen, vor allem dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).
Am 11. Februar wird deshalb weltweit der „International Day of Women and Girls in Science“ begangen, initiiert von UNESCO und UN Women gemeinsam mit internationalen Partnern. Er soll Mädchen und Frauen ermutigen, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen oder wiederaufzunehmen. „Die Teilhabe von Frauen ist für den Aufbau einer besseren Welt durch Wissenschaft und Technologie unerlässlich“, betont die UN. Noch machen Frauen global nur rund ein Drittel der wissenschaftlichen Gemeinschaft aus, in der Künstlichen Intelligenz liegt ihr Anteil sogar bei lediglich 22 Prozent.
Engagement für Frauen in der Wissenschaft an der HOST
Die Hochschule Stralsund misst der Förderung von Frauen in der Wissenschaft einen hohen Stellenwert bei – gerade wegen ihres MINT-Profils. Sie bietet jungen Frauen gezielte Förderprogramme wie das KarrierestartMentoring und das EXIST-Women-Programm, die Frauen auf ihrem wissenschaftlichen und unternehmerischen Weg unterstützen und sie bietet ihnen vor allem auch eines: starke Vorbilder. Zwei der drei Dekan*innen der Hochschule Stralsund sind weiblich (Prof. Dr. Claudia Danker, Fakultät für Wirtschaft und Prof. Dr. Birgit Steffenhagen, Fakultät für Elektrotechnik und Informatik), mit Prof. Dr. Petra Maier stand zudem über viele Jahre eine Frau an der Spitze der Hochschule, bevor sie sich wieder stärker der Forschung und ihrer Lehre an der Fakultät für Maschinenbau widmete.
Im Zentrum dieser dreiteiligen Artikelserie …
stehen daher Wissenschaftlerinnen aus den drei Fakultäten der HOST. Als Professorinnen und Forscherinnen wirken sie als wichtige Role Models – und zeigen jungen Frauen, wie vielfältig und spannend wissenschaftliche Karrieren sein können.
------------------------------------------------------------------------------------------------
Im Gespräch:
Prof. Dr. sc. hum. Caroline Bönisch
Fakultät für Elektrotechnik und Informatik
Seit wann sind Sie an der Hochschule Stralsund tätig und in welcher Funktion?
Seit 2024 bin ich als Professorin für Medizinische Informatik an der Hochschule tätig.
Bildung / akademische Abschlüsse
2023 Promotion Humanwissenschaften in der Medizin, Georg-August-Universität Göttingen
2015 Masterstudium Medizininformatik, Hochschule Stralsund
2012 Bachelorstudium Medizininformatik und Biomedizintechnik, Hochschule Stralsund
2008 Abitur, Gymnasium an der Rostocker Heide, Rövershagen
Wann und aus welchen Gründen haben Sie sich für eine Laufbahn in Forschung und Lehre entschieden?
Mein Interesse an Forschung und Lehre hat sich schrittweise während meines Studiums entwickelt. Besonders die Arbeit an meiner Bachelor- und auch Masterarbeit, in denen ich eigene Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen konnte, haben mich dabei stark beeinflusst. Mir hat es schon immer gefallen, komplexe Zusammenhänge systematisch anzugehen und sie selbstständig zu bearbeiten. Die Möglichkeit, dann mit eigenen Forschungsergebnissen den bestehenden Stand in der Forschung zu erweitern, war und ist für mich ein zentraler Motivationsfaktor. Der Weg in die Lehre hat sich anschließend schrittweise damit verknüpft. Während meiner Promotion durfte ich eigenständig Lehrvorlesungen entwickeln und hatte damit die Möglichkeit meinen Wissensstand weiterzugeben. Die Lehre hatte dann auf Grund von Austausch und Diskussion wieder Input für neue Forschung geschaffen. Die Verbindung beider Bereiche empfinde ich daher als besonders wichtig.
Gab es weibliche Vorbilder, die Sie auf Ihrem Weg inspiriert oder geprägt haben?
Ja. Mein Vorbild ist (auch heute noch) Prof. Dr. Sylvia Thun. Sie ist in der Medizininformatik-Community als Expertin für nationale und internationale IT-Standards im Gesundheitswesen weithin anerkannt. Damit beschäftigt sie sich mit wichtigen Themen im Bereich der Interoperabilität und wurde 2022 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sie engagiert sich stark im Bereich der Karriereförderung von Frauen und ist selbst Mutter von 4 Kindern. Mit ihrem Engagement
und beeindruckenden Lebenslauf zeigt sie mir auf, dass man auch als Frau und Mutter in der Wissenschaft mit viel Eifer und Einsatz alles erreichen kann.
Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit bis heute am meisten?
Mich begeistert die Vielfalt der Studierenden ebenso wie die Möglichkeit, eigenes Fachwissen und unterschiedliche Arbeitsweisen zu vermitteln. Studierende bringen jeweils individuelles Vorwissen, verschiedene Erwartungen sowie vielfältige Erfahrungen in die Lehrveranstaltungen ein. Darauf einzugehen und die Lehre entsprechend anzupassen, empfinde ich als bereichernd und interessant. Dadurch gleicht kein Semester dem anderen, und der Lehralltag bleibt abwechslungsreich und spannend. Als besonders wertvolle Rückmeldung erlebe ich dabei, dass meine Lehrinhalte Studierende nachhaltig beim Übergang in die Arbeitswelt unterstützen.
Gab es auf Ihrem beruflichen Weg besondere Herausforderungen?
Eine besondere Herausforderung stellte für mich die Promotionsphase dar, die in die Zeit der Corona-Pandemie fiel. In diesem Zeitraum wurde zudem mein Kind als Frühgeborenes geboren, was eine intensive Phase zwischen Klinikaufenthalten und der Weiterarbeit an der Dissertation mit sich brachte. Diese Situation erforderte ein hohes Maß an Organisation, Belastbarkeit und Durchhaltevermögen in manchmal doch ungewissen Situationen. Mein Mann war dabei meine größte Unterstützung.
Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenken?
Jungen Frauen, die über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenken, möchte ich Mut machen, sich frühzeitig Unterstützung zu suchen und diese auch aktiv anzunehmen. Mentoring-Angebote und Karrierenetzwerke sind dabei äußerst wertvoll. Darüber hinaus eröffnen sie wichtige berufliche Perspektiven und können Zugänge zu Forschung, finanzieller Förderung und Karrierewegen erleichtern. Gerade in der Wissenschaft ist ein hohes Maß an Durchhaltevermögen erforderlich, da zentrale Prozesse wie die Veröffentlichung von Publikationen, die Abfassung der Dissertation oder Berufungsverfahren stark zeitintensiv sind und häufig von externen Faktoren abhängen. Mentoring kann helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln, mit Verzögerungen umzugehen und den eigenen Weg strategisch zu planen. Karrierenetzwerke unterstützen dabei, auch langfristig sichtbar zu bleiben und Chancen aktiv zu nutzen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------
Wissenschaft erleben: Ferienprogramm für Schülerinnen am 11. Februar
Um Mädchen frühzeitig für Wissenschaft zu begeistern und ihnen konkrete Einblicke zu ermöglichen, lädt die Hochschule Stralsund auch in diesem Jahr am 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft ein. Schülerinnen der Klassenstufen 9 bis 12 haben die Möglichkeit, in praxisnahen Workshops das naturwissenschaftlich-technische Profil der HOST kennenzulernen und Hochschulluft zu schnuppern.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Katja Putzig und Jessica Laufer sowie Prof. Dr. Petra Maier geben Einblicke in ihre Disziplinen, stellen Forschungsfelder vor und laden zum Mitmachen ein. Auf dem Programm stehen unter anderem KI-Anwendungen, die Arbeit mit einem modernen Elektronenmikroskop sowie Metalle mit Formgedächtnis und deren Erforschung.
Anmeldung: per E-Mail an marian.petsch@hochschule-stralsund.de
Anmeldeschluss: 10.02.2026
