Sprachenzentrum qualifiziert für den Arbeitsmarkt

Der Leiter des Zentrums an der HOST, Simon Tribe, erklärt, was sprachliche Fitness bedeutet, eröffnet Funfacts und gibt Tipps, was es wirklich braucht

Simon Tribe ist der Leiter des Sprachenzentrums der Hochschule Stralsund.

Als zentrale Einrichtung der HOST bietet das Sprachenzentrum im Auftrag der Fakultäten eine curricular verankerte Sprachausbildung in derzeit sechs Sprachen an. Im Sinne einer ständigen Qualitätssicherung beobachtet das Sprachenzentrum regelmäßig Entwicklungen rund um das Thema erforderliche Sprachkenntnisse am Arbeitsmarkt. So versuchen die gegenwärtig 12 Mitarbeitenden und Lehrbeauftragte bei ihrem gemeinsamen Bildungsauftrag an einer deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften, einen konstruktiven Beitrag zu leisten, damit die Absolvent*innen der Hochschule Stralsund sprachlich stets zukunftssicher sind. 

Simon Tribe ist der Leiter des Sprachenzentrums. Ursprünglich in England geboren, kam er selbst 1999 aus seinem Heimatland Kanada nach Deutschland, spricht fließend Englisch und Deutsch außerdem die zweite Landessprache Kanadas, Französisch, jedoch leider nicht mehr so flüssig, wie er selbst sagt. Im Interview gibt er Einblicke in die Relevanz von Sprache auf dem deutschen Arbeitsmarkt und untermauert mit aktuellen Fun Facts die Ernsthaftigkeit des Themas „Sprachliche Fitness“ für Hochschulabsolvent*innen.

 

Englisch als Weltsprache ist die Fremdsprache Nummer 1, auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt?

Unbedingt – der Status von Englisch als Haupthandelssprache ist unangefochten. Hier kann man sogar von einer „13-Prozent-Prämie“ sprechen. Verhandlungssicheres Englisch (Niveau C1) führt laut Einschätzungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Schnitt zu 13 % mehr Gehalt, wie Studien zeigen. Sprachkenntnisse sind also nicht nur ein Soft Skill, sondern ein echter Kontostands-Booster.

Wie ist es mit dem Sprachlevel, was braucht man wirklich?

Hier gilt C1 ist das neue B2: In den Bereichen Wirtschaft und Forschung ist das Niveau B2 (fortgeschrittene Anwendung) oft nur noch die Mindestvoraussetzung. Viele Top-Stellenanzeigen fordern mittlerweile explizit C1 (fachkundige Sprachkenntnisse), um in komplexen Meetings wirklich mitmischen zu können. Durch das neue Handelsabkommen zwischen der EU und Indien konkurrieren nationale Absolventen mit indischen Fachkräften, für die Englisch oft Zweit- oder sogar Erstsprache ist. Wer hier als nationaler Bachelor nur „Schulenglisch“ bietet, verliert im MINT-Bereich schnell den Anschluss. Die Erhöhung der Visums-Quote für indische Fachkräfte auf 90.000 pro Jahr bedeutet, dass Sprachkompetenz kein „Nice-to-have“ mehr ist, sondern zum kritischen Filterkriterium in deutschen Bewerbungsverfahren wird.

Zudem beobachten wir die „Angst-Lücke“ bei Bachelorabsolvent*innen: Während Hochschulen oft nur allgemeine Englischkurse anbieten, fordern Ingenieurwesen-Jobs spezifisches Vokabular für Normen und Sicherheit. Absolventen mit ESP-Zertifikaten (English for Specific Purposes) haben bei der ersten Gehaltsverhandlung eine deutlich stärkere Position. 

Aber Deutsch braucht man schon noch weiterhin auf dem Arbeitsmarkt?

Natürlich. Es gilt Deutsch als „Exklusiv-Ticket“. Trotz aller Globalisierung werden geschätzt circa 80 Prozent der Fach- und Führungspositionen in Deutschland weiterhin in flüssigem Deutsch (C1/C2) verhandelt. Das muttersprachliche Niveau bleibt für nationale Absolvent*innen der wichtigste Schutzschild gegen internationale Konkurrenz.

Schwierig für unsere internationalen Studierenden, aber sicher auch eine Motivation Deutsch zu lernen. 

Auf jeden Fall. Wir können beobachten wie der Fachkräftemangel der Sprachbarriere gegenübersteht: Berichten zu Folge scheitern jährlich tausende Visa-Anträge ausländischer Fachkräfte nicht an der Qualifikation, sondern am fehlenden B1/B2-Nachweis. Wer als einheimischer Absolvent beide Sprachen (DE/EN) auf C-Niveau beherrscht, ist für HR-Abteilungen eine „Sorglos-Einstellung“.

Okay, also gutes oder sehr gutes Englisch, sehr gutes Deutsch und dann klappt es auf dem deutschen Arbeitsmarkt. 

Könnte man sagen, aber es gibt Risiken – zum Beispiel das „Denglisch“-Risiko. In der Forschung ist „Denglisch“ zwar Alltag, aber in offiziellen Publikationen ist das Niveau C2 (annähernd muttersprachlich) für das Academic Writing unerlässlich. Viele Hochschulen unterschätzen, dass Bachelorabsolvent*innen bereits hier Grundlagen für ihre spätere Karriere legen müssen. Zudem ist das Niveau C1 oft Voraussetzung für die Zulassung zu einem Master-Studiengang – aus gutem Grund.

Und „gut und sehr gut“ muss man differenzieren. Soft Skills brauchen Hard Language: Teamführung und Konfliktmanagement (vor allem wichtig für Wirtschaftsabsolvent*innen) funktionieren kaum auf B1-Niveau. Empathie und Nuancen lassen sich erst ab C1 präzise steuern – ein riesiger Vorteil für Beförderungen.

Das klingt nach viel Arbeit, aber es gibt ja auch viele Hilfestellungen, Richtung KI gedacht …

Ja, aber Sprach-KI sollte als Co-Pilot, nicht als Pilot gedacht werden: KI-Tools wie DeepL oder ChatGPT helfen zwar enorm, aber in der Forschung und im Ingenieurwesen haften Menschen für Fehler. Die Kompetenz, eine KI-Übersetzung fachlich auf Englisch zu validieren, wird zur neuen Kernkompetenz („Linguistic Literacy“). Die Organisation EF (Education First) veröffentlichte der English Proficiency Index (EPI) 2025 – Ein Ranking von 123 Ländern. Darin sind strategische Empfehlungen erhalten, allen voran die dringende Empfehlung für Schulen und Organisationen die Lücke im Bereich KI-Kompetenz (eng.: skills gap in AI literacy) zu adressieren, d.h.: die unverhältnismäßig große Abhängigkeit von KI anstelle von eigenem kritischem Denken im Umgang mit Sprachkenntnissen. Übertragen auf das Sprachenlernen an der HOST könnte das sowohl für Studierende als auch Mitarbeitende bedeuten: Die Kombination aus Sprachkenntnissen und KI-Kompetenz stellt die optimale Qualifikationsbasis dar, um das berufliche Potenzial in der sich wandelnden Weltwirtschaft voll auszuschöpfen.

Was raten Sie unseren Studierenden, vielleicht sogar Mitarbeitenden?

Sprachenlernen gehört zur Rubrik des lebenslangen Lernens. Für Studierende bedeutet dies, nicht nur punktuell für Sprachprüfungen aufzubauen, sondern durch kontinuierlichen Sprachunterricht eine dauerhafte globale Beschäftigungsfähigkeit (Employability) und interkulturelle Offenheit für die Karriere nach dem Abschluss zu sichern. Mitarbeitende in Forschung, Lehre und Verwaltung nutzen diese Methode, um ihre Fähigkeiten im Zuge der fortschreitenden Internationalisierung von Hochschulen agil und bedarfsgerecht zu erweitern – sei es für Lehrveranstaltungen, internationale Kooperationen oder die Betreuung ausländischer Studierender. Indem die HOST den Zugang zu solch einer kontinuierlichen Sprachausbildung fördert, etabliert sie eine gelebte Kultur des permanenten Wissenserwerbs, die weit über das klassische Basis-Curriculum oder fragmentierte Weiterbildungskurse hinausreicht.

Für Informationen oder bei Anregungen zur Sprachausbildung am Sprachenzentrum der HOST kommen Sie gerne einfach auf uns zu. Wir freuen uns stets auf das Gespräch!