Internationaler Forschungsaustausch bringt neue Perspektiven für die Wissenschaft: Der direkte Austausch ermöglicht es, gemeinsame Forschungsfragen zu diskutieren und neue Ansätze zu entwickeln. In der vergangenen Woche (17. bis 21. August) war Associate Professor Dr. Anna Hnydiuk-Stefan von der Technischen Universität Opole zu Gast an der Hochschule Stralsund.
Dr. Hnydiuk-Stefan forscht an der Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Opole im Bereich der techno-ökonomischen Analyse von Energieerzeugung. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Kosten der Stromerzeugung, die Bewertung von Investitionen im Energiesektor sowie der Einfluss von Klima- und Energiepolitik auf Erzeugungskosten und Marktpreise.
An der Hochschule Stralsund arbeitete sie an einer vergleichenden Untersuchung der Auswirkungen des Europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) auf die Strommärkte in Polen und Deutschland. Beide Länder unterliegen demselben europäischen CO₂-Preis, unterscheiden sich jedoch deutlich bei der Struktur ihrer Stromerzeugung, der Brennstoffversorgung und beim Ausbau erneuerbarer Energien. Diese Unterschiede machen den Vergleich besonders interessant: Sie ermöglichen es, die Auswirkungen des politischen Instruments von den Auswirkungen der jeweiligen Struktur des nationalen Stromsystems zu unterscheiden.
Während des Aufenthalts ging es unter anderem darum, eine gemeinsame Methodik und eine harmonisierte Datengrundlage für beide Länder zu entwickeln. Die gemeinsame Arbeit soll in eine Konferenzpräsentation einfließen. Hnydiuk-Stefan verbindet damit ausdrücklich eine längerfristige Perspektive: „Am wichtigsten ist mir, dass dieser Aufenthalt der Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit wird und nicht bei einer einzigen Publikation bleibt.“
Auch ihre berufliche Laufbahn verbindet technische, wirtschaftliche und praktische Perspektiven. Nach ihrem Studium des Umweltingenieurwesens an der Technischen Universität Opole absolvierte sie unter anderem ein MBA-Studium im Bereich Finance and Insurance und erwarb eine Zulassung als Commodity Broker. Anschließend arbeitete sie bei Unternehmen, die auf dem europäischen CO₂-Markt tätig waren. „Ich habe mit Emissionszertifikaten gehandelt, bevor ich begonnen habe, sie wissenschaftlich zu untersuchen. Dieses praktische Wissen darüber, wie sich der Markt tatsächlich verhält, ist der direkte Ausgangspunkt meiner aktuellen Forschung zum EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS), und wahrscheinlich ist es auch der Grund, warum mir das Thema dieses Besuchs so vertraut erscheint.“
Neben der gemeinsamen Forschung erhielt Hnydiuk-Stefan während ihres Aufenthalts Einblicke in die Hochschule Stralsund. Sie besuchte Einrichtungen und Labore verschiedener Fakultäten und tauschte sich mit Hochschulangehörigen über ihre Fachgebiete und weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Ihre Eindrücke fasst sie positiv zusammen: „Jede der Fakultäten verfügt über wirklich hervorragende Labore und bietet den Studierenden sehr gute Bedingungen zum Lernen.“ Auch die fachliche Expertise und die Offenheit der Hochschulangehörigen hob sie hervor.
Der Aufenthalt soll den Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit bilden. Besprochen wurden unter anderem gemeinsame Publikationen, Forschungsanträge sowie der Austausch von Wissenschaftler*innen und Studierenden. Auch gemeinsame Lehrangebote, etwa ein Seminar oder eine Summer School zur Ökonomie der Energiewende, sind als mögliche Perspektive im Gespräch. “Der Vergleich zwischen Polen und Deutschland ist meiner Ansicht nach weit über die beiden Länder selbst hinaus von Interesse. Sie stellen zwei gegensätzliche Ausgangspunkte für dieselbe europäische Energiewende dar, und das Verständnis dafür, wie ein einzelnes politisches Instrument in beiden Ländern wirkt, ist für andere Mitgliedstaaten von unmittelbarer Relevanz.”
Die Ergebnisse der aktuellen gemeinsamen Forschung sollen vom 15. bis 17. Oktober auf der International Conference on Climate Change, Sustainability & Renewable Energy in Prag vorgestellt werden.









