Internationale Delegation zu nachhaltigem Tourismus

Fachjournalist*innen, Tourismusexpert*innen sowie Reise- und Klima-Influencer*innen aus 14 Ländern haben sich an der Hochschule Stralsund informiert. Wie kann Hochschulbildung zur treibenden Kraft einer nachhaltigen Transformation des Tourismus werden?

Am Mittwoch, 4. März, hat eine 14-köpfige internationale Delegation aus Fachjournalist*innen, Tourismusexpert*innen sowie Reise- und Klima-Influencer*innen aus 14 Ländern die Hochschule Stralsund besucht. Der Besuch war Teil einer Informations- und Vernetzungsreise zum Thema nachhaltiger Tourismus, die vom Goethe-Institut im Auftrag des Auswärtigen Amtes organisiert wurde. Ziel der Reise war es, Modelle und Strategien für nachhaltigen Tourismus in Deutschland vorzustellen, den internationalen Erfahrungsaustausch zu fördern und Deutschland als attraktives Reiseland zu präsentieren.

Bereits am 2. März hatte sich die Gruppe in Berlin mit der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns über Tourismusstrategien von Bund und Ländern ausgetauscht. In Stralsund stand außerdem ein Treffen mit Steffi Behrendt vom Amt der Hansestadt Stralsund für Kultur, Welterbe und Medien auf dem Programm.

An der HOST wurde die Delegation vom Rektor Prof. Dr. Ralph Sonntag und dem Studiendekan der Fakultät für Wirtschaft Prof. Dr. Lieven Kennes begrüßt. Anschließend stellte Prof. Dr. Acácia Malhado aus der Lehreinheit Tourismus die zentrale Frage: Wie kann Hochschulbildung zur treibenden Kraft einer nachhaltigen Transformation des Tourismus werden? Unter dem Leitgedanken „From Knowledge to Transformation: Educating for Sustainable Tourism Futures“ präsentierte sie die Studiengänge Leisure and Tourism Management (BA) und Tourism Development Strategies (MA) sowie das Nachhaltigkeitsprofil der Hochschule.

Prof. Malhado erläuterte, dass Nachhaltigkeit im Tourismus zunehmend mit Fragen der Politik, Digitalisierung, sozialer Legitimität und der Mobilitätswende verknüpft ist und der Sektor bereits tiefgreifende Veränderungen erlebt. Hochschulbildung müsse Studierende deshalb darauf vorbereiten, mit solchen Transformationsprozessen umzugehen und sie aktiv mitzugestalten. „Tourismusbildung muss Transformation vorausdenken, nicht ihr hinterherlaufen. Unsere Aufgabe ist es, Studierende mit dem Wissen, den analytischen Fähigkeiten und der professionellen Haltung auszustatten, die sie brauchen, um ein sich wandelndes Tourismussystem verantwortungsvoll zu gestalten“, erklärte sie.

Zur Veranschaulichung der Ausbildung stellte Prof. Malhado die „Student Journey“ vor: Verstehen (konzeptionelle und analytische Grundlagen nachhaltiger Tourismusentwicklung), Anwenden (Umsetzung in Projekten, Exkursionen und Praktika), Reflektieren (Transferkompetenz, kritisches Denken und Studierendenforschung) sowie Transformieren – die Entwicklung einer professionellen Haltung, bei der Alumni sich als verantwortungsbewusste Gestalterinnen und Gestalter des Tourismussystems verstehen.

Auf den Präsentationsfolien erkannten einige Gäste drei ehemalige HOST-Absolventinnen wieder, die sie zuvor während der Reise in leitenden Funktionen bei visit Berlin, der MV Tourismus GmbH sowie im Nationalpark-Zentrum Königstuhl auf Rügen kennengelernt hatten. „Viel eindrucksvoller kann der Einfluss unserer Hochschulausbildung auf den regionalen und nationalen Tourismus nicht dargestellt werden. Da schließt sich der Kreis der „Student Journey“: vom Wissen zur beruflichen Verantwortung“, erklärt Anne Christiansen, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HOST. Von den Gästen war ein anerkennendes „it works“ zu hören.

Besonders positiv aufgenommen wurden die praxisintegrierten Lehrformate und die enge Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Stakeholdern. Dr. Efthymia Sarantakou von der University of West Attica in Griechenland fragte nach, wie diese Praxisnähe gesichert wird. Die Antwort: regionale Projekte, Gastvorträge, Exkursionen und verpflichtende Praktika. Dr. Jerry Ricardo A-Kum aus Suriname und erfahrener General Manager eines Boutique Hotels sieht zudem gute Möglichkeiten für Praktika in seinem Hotel.

Auch der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in Netzwerken und Veranstaltungen wie dem Stralsunder Tourismustag sowie in der Forschungsinitiative Sustain MV wurde vorgestellt.

„In der Tourismusausbildung müssen Zielkonflikte zwischen Wachstum, Klimaschutz und Gemeinwohl sowie politische und regulatorische Rahmenbedingungen analysiert werden, um Nachhaltigkeitsstrategien operationalisieren und Multi-Stakeholder-Prozesse aktiv mitgestalten zu können. Über all dem steht die ethische und langfristige Verantwortung, indem ökologische Grenzen priorisiert, wirtschaftliche Tragfähigkeit mit planetaren Belastungsgrenzen in Einklang gebracht und professionelle Verantwortung für das Gemeinwohl und die Zukunft des Tourismus übernommen wird“, fasst Prof. Acácia Malhado zusammen.

Begeistert von Stralsund, Rügen und der HOST reiste die Delegation anschließend weiter nach Berlin. Mark Aoun, Ökotourismus-Experte und NGO-Gründer aus dem Libanon, sagte zum Abschied: „Now I understand why your tourism programs are among the best in Germany.“