35 Jahre Hochschule Stralsund

Exkurs in die Geschichte mit neun Rektoraten und sechs Kanzler*innen und Ausblick auf neue Möglichkeiten

Luftbild des Hochschulgeländes von 1992
Die Chronik zu 10 Jahren FH Stralsund
Aus der Chronik zu 10 Jahren FH Stralsund
Die Amtseinführung von Prof. Dr. Joachim Venghaus als Rektor 2008
Einweihung des Fahrzeugprüfstandes 2011
Die Eröffnung der Cafeteria 2014
Dreharbeiten zum StralsundKrimi 2017
Festumzug zur Imma 2019 mit Prof. Dr. Petra Maier als Rektorin
Luftblick auf das neue Windrad 2023

Was hat es eigentlich mit der 35 auf sich? Warum steht die große graue Zahl in der Mensa auf der Bühne? – Wissen Sie es? Sehr wahrscheinlich, weil Kolleg*innen an das Hochschuljubiläum erinnern möchten – und das haben sie damit auch geschafft.

Die Hochschule Stralsund ist in diesem September 35 Jahre alt geworden. Es ist kein klassisches Jubiläum wie 10, 20, 25, 30, 40 oder 50 Jahre, aber ein Anlass, noch einmal genauer hinzuschauen: Was ist eigentlich – wohlbemerkt im Groben – in diesen 35 Jahren passiert?

Statement des Rektors

„35 Jahre sind ungefähr die Zeitspanne einer Generation. In diesen Jahren hat sich die Hochschule entwickelt und Generationen von Studierenden und Mitarbeitenden geprägt. Jeder Tag ist wie ein Geburtstag, jeder Tag, an dem unsere Studierenden wachsen, wir kollegial miteinander wirken und unsere Forschung neues Wissen schafft. Denn, wie John Dewey sagte: ‚Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst‘“, so der Rektor der Hochschule Stralsund.

Hochschule in Zahlen

Das aktuelle Rektorat ist das neunte. Die Hochschule Stralsund hatte bereits neun Rektor*innen, der zehnte ist bereits mit Prof. Dr. Dirk Engel gewählt und tritt zum März 2027 sein Amt an. Gründungsrektor war Günter Jorke (1939–2024), der bis zum Jahr 2004 Rektor der damaligen Fachhochschule blieb. Die Hochschule hatte bereits sechs Kanzler*innen, vom ersten Kanzler Manfred Hülsmann über die heutige Staatssekretärin Susanne Bowen bis zum heutigen Kanzler Fabian Berger. Die Hochschule Stralsund hat heute 240 Mitarbeitende, Dozierende und Professor*innen.

12.370 Studierende haben seit der Gründung der Hochschule Stralsund am 1. September 1991 als Fachhochschule mit technisch-wirtschaftlichem Profil in Stralsund einen Abschluss an der Hochschule erworben, 5.431 davon in einem Bachelor, 2.627 in einem Master und 4.312 in einem Diplom-Studiengang.

Zum Start war die Hochschule deutlich kleiner: 175 Studierende waren 1991 an der neu gegründeten Fachhochschule eingeschrieben. Im Fachbereich Wirtschaft, der mit dem Studiengang Betriebswirtschaftslehre startete, waren es zunächst 57 Studierende. Die junge Fachhochschule befand sich zu dieser Zeit noch mitten im Aufbau.

Zahlreiche Studiengänge sind im Laufe der Jahre neu entstanden, weiterentwickelt oder durch neue Angebote ersetzt worden. Und so haben diese 12.370 Absolvent*innen ihre Abschlüsse in 42 Studiengängen abgelegt. Heute sind es 28 Studienangebote, mit denen die Hochschule junge Menschen auf unterschiedliche berufliche Wege vorbereitet. Die Hochschule Stralsund orientiert sich eng an den Entwicklungen von Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft. Denn die Anforderungen an Fachkräfte verändern sich – und damit die Anforderungen an ein zeitgemäßes Studium.

35 Jahre – einige Meilensteine

Auch der Campus selbst hat eine Geschichte. Das Gelände, auf dem heute studiert, gelehrt und geforscht wird, war zuvor militärisch genutzt worden. Auf dem Areal befanden sich unter anderem die Offiziershochschule der Volksmarine und später die Marineschule Stralsund. Mit der Gründung der Fachhochschule 1991 begann die Entwicklung des Geländes zum Hochschulcampus.

Einige Gebäude erinnern bis heute an die frühere Nutzung. So wurde beispielsweise ein 1935/36 errichtetes Kasernengebäude ab 1996 als Hochschulbibliothek genutzt, nach langjährigen Bestrebungen konnte sie 2026 frisch saniert und mit modernstem Anbau neu eröffnet werden. 

Auch in der Forschung wurden früh Themen aufgegriffen, die heute wieder eine große Rolle spielen. 1992 wurde ein Labor für Wasserstoff errichtet. Auf Basis dieser frühen Arbeiten entstand in den folgenden Jahren ein größeres Energielabor. 1996 wurde in Stralsund auf Basis einer 100-kW-Windenergieanlage und eines 20-kW-Elektrolyseurs ein Wasserstoff-Speicherkraftwerk im Labormaßstab eingeweiht. Dabei wurde Wasserstoff erzeugt, gespeichert und anschließend wieder zur Stromerzeugung eingesetzt.

Auch die internationale Ausrichtung entwickelte sich früh. 1996 startete der Studiengang Baltic Management Studies, der sich auf den Ostseeraum konzentrierte und das erste internationale Studienangebot der Hochschule war. Seit dem Sommersemester 1996 gehörte auch Schwedisch zum Curriculum. Der Studiengang wurde später in „International Management Studies in the Baltic Sea Region“ umbenannt.

Drei Schwerpunkte, viele Forschungsthemen

Auch in der Forschung zeigt sich, wie sich die Hochschule in 35 Jahren entwickelt hat. Die HOST bündelt ihre Forschung fakultätsübergreifend in drei von der Hochschulrektorenkonferenz anerkannten Forschungsschwerpunkten:

  • Angewandte Informatik, KI und medizinische Entscheidungsfindung
  • Technik und Energie
  • Unternehmen, Region und Tourismus

Die Schwerpunkte verbinden wissenschaftliche Expertise mit konkreten Fragestellungen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Region. Die Forschungsaktivitäten orientieren sich auch an den Wirtschaftsstrukturen der Region und sind eng mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft verknüpft.

Und auch hier gilt: Forschung bleibt nicht stehen. Die Hochschule entwickelt ihre Forschungskompetenzen kontinuierlich weiter und stärkt ihre nationale und internationale Vernetzung.

Von der FH zur Hochschule

Dem ein oder anderen Stralsunder ist die Hochschule eher als Fachhochschule ein Begriff. Als solche war sie 1991 gegründet worden. Seit dem 2. März 2017 heißt sie offiziell Hochschule Stralsund. Aus der Fachhochschule wurde damit die Hochschule Stralsund.

Die Hochschule gehört zum Typ der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Im neuen Landeshochschulgesetz Mecklenburg-Vorpommerns werden die bisherigen Fachhochschulen nun auch gesetzlich als Hochschulen für angewandte Wissenschaften verankert.

Ein weiterer Meilenstein ist noch frisch:

Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern hat am 3. Juni 2026 das neue Landeshochschulgesetz beschlossen. Den drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften des Landes –Stralsund, Neubrandenburg und Wismar – wird damit die Möglichkeit eröffnet, für forschungsstarke Bereiche ein eigenes Promotionsrecht zu erlangen. Voraussetzung sind unter anderem geeignete wissenschaftliche Strukturen, forschungsstarkes Personal und entsprechende Forschungsleistungen. Die Forschungsstärke soll durch eine externe Begutachtung festgestellt werden.

Die konkrete Umsetzung und die entsprechenden Strukturen stehen noch aus. Bis dahin bleibt der kooperative Weg mit anderen Universitäten der reguläre Promotionspfad für HAW-Angehörige in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Schon jetzt treffen sich angehende Promovierende zu einem gemeinsamen monatlichen Austausch.