Weibliche Role Models für mehr Frauen in der Wissenschaft

In einer Mini-Serie stellen wir Professorinnen der drei Fakultäten vor, ihre Werdegänge und Empfehlungen für Studentinnen - anlässlich des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft. Zu diesem veranstaltet die HOST auch ein Workshop-Programm für Mädchen.

Im Zentrum dieser dreiteiligen Artikelserie stehen Wissenschaftlerinnen aus den drei Fakultäten der HOST. Als Professorinnen und Forscherinnen wirken sie als wichtige Role Models – und zeigen jungen Frauen, wie vielfältig und spannend wissenschaftliche Karrieren sein können. Anlass dieser Miniserie ist der bevorstehende Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar, zudem an der HOST ein Programm für Schüler*innen (siehe unten) angeboten wird. Initiiert wurde der internationale Aktionstag von UNESCO und UN Women gemeinsam mit internationalen Partnern. Er soll Mädchen und Frauen ermutigen, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen oder wiederaufzunehmen. „Die Teilhabe von Frauen ist für den Aufbau einer besseren Welt durch Wissenschaft und Technologie unerlässlich“, betont die UN. Noch machen Frauen global nur rund ein Drittel der wissenschaftlichen Gemeinschaft aus. Die Hochschule Stralsund misst der Förderung von Frauen in der Wissenschaft einen hohen Stellenwert bei – gerade wegen ihres MINT-Profils. Sie bietet jungen Frauen gezielte Förderprogramme wie das KarrierestartMentoring und das EXIST-Women-Programm, die Frauen auf ihrem wissenschaftlichen und unternehmerischen Weg unterstützen und sie bietet ihnen vor allem auch eines: starke Vorbilder. 

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Im Gespräch:

Prof. Dr. rer. pol. Ivonne Honekamp

Professorin für BWL, insbesondere Management im Gesundheitswesen

Fakultät für Wirtschaft

Seit wann sind Sie an der Hochschule Stralsund tätig und in welcher Funktion? 

seit 2019 an der HOST in dieser Funktion

Bildung / akademische Abschlüsse

Nach dem Realschulabschluss Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte, dann Ausbildung als Beamtin im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst, dann Fachhochschulabschluss in Deutschland dann Erwerb der allgemeinen Hochschulreife am New College in Swindon/England, Diplom Volkswirtin Universität Bonn, Master in Economics and Social Sciences University of Utrecht/Niederlande, Dr. rer. pol. Universität Bamberg

Wann und warum haben Sie sich für den Weg in Forschung und Lehre entschieden?

Am Ende meines Studiums hätte ich mir eine wissenschaftliche Laufbahn selbst nicht zugetraut. Erst durch die Ermutigung meines Mannes habe ich mich auf Stellen als wissenschaftliche Mitarbeiterin beworben und eine Promotion in Betracht gezogen. Mit vielen Zweifeln, aber dem Gedanken: Ich probiere es einfach. Relativ schnell erhielt ich eine Stelle an der Universität Bamberg.

Der Einstieg in die Lehre war schwierig. Meine ersten Lehrveranstaltungen liefen schlecht, die Evaluationen waren kritisch, und ich fühlte mich lange unsicher. Statt aufzugeben, habe ich Fortbildungen in der Hochschuldidaktik besucht und parallel einen Forschungsantrag gestellt, der bewilligt wurde und schließlich die Grundlage meiner Promotion bildete. Während dieser Zeit bekam ich mein erstes Kind.

Kurz darauf übernahm ich an der Hochschule Zittau/Görlitz eine Vertretungsprofessur im Management im Gesundheitswesen. Mit wachsender Erfahrung, interdisziplinärer Forschung und weiteren erfolgreichen Projekten wurde mir immer klarer, warum ich diesen Weg gehe: Ich möchte im Gesundheitswesen etwas bewegen, Lösungen für reale Probleme entwickeln und dazu beitragen, dass auch künftig alle Zugang zu Gesundheitsleistungen haben. Dass sich diese Arbeit gut mit Familie vereinbaren lässt, ist für mich ein großes Plus.

Gab es weibliche Vorbilder, die Sie inspiriert haben?

Nein, ich hatte keine weiblichen Vorbilder.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit bis heute am meisten?

Mich begeistert vor allem die Kombination aus sinnvoller Arbeit, Gestaltungsfreiheit und guter Vereinbarkeit mit dem Privatleben. Die flexiblen Arbeitszeiten, die familiäre Atmosphäre und die überschaubaren Studierendengruppen an der Hochschule Stralsund schaffen ein Umfeld, in dem man sich kennt, austauscht und gemeinsam arbeitet.

Besonders schätze ich die Freiheit von Forschung und Lehre und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Durch meine enge Vernetzung mit Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen entstehen viele praxisnahe Projekte, häufig gemeinsam mit Studierenden. In gemeinsamen Forschungs- und Praxisprojekten arbeiten wir konkret daran, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Dieses Zusammenspiel aus Lehre, Forschung und realer Wirkung motiviert mich bis heute sehr.

Gab es auf Ihrem Weg besondere Herausforderungen – und was hat Ihnen geholfen, damit umzugehen?

Eine große Herausforderung waren für mich die Lehrevaluationen, insbesondere bei neu konzipierten Lehrveranstaltungen und in Themenfeldern, in denen ich anfangs noch wenig Erfahrung hatte. Die Rückmeldungen waren nicht immer gut, und das hat mich verunsichert. Trotzdem bin ich drangeblieben, habe mir gezielt Fachwissen angeeignet, mich weitergebildet und meine Lehre von Semester zu Semester weiterentwickelt. Mit der Zeit wurde ich sicherer, besser vorbereitet und selbstbewusster.

Zweifel daran, ob ich für eine Professur geeignet bin, gehörten lange zu meinem Weg. Sehr geholfen hat mir dabei die Unterstützung meines Mannes, der immer an mich geglaubt hat. Heute zeigen mir die Lehrevaluationen, dass die Studierenden mit meiner Lehre sehr zufrieden sind. Das macht mich stolz und vor allem sehr glücklich.

Welchen Rat geben Sie jungen Frauen, die über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenken?

Sucht euch Menschen, die euch unterstützen, gerade in Momenten von Zweifel oder Rückschlägen. Mentoring und Austausch können sehr viel Sicherheit geben. An der Hochschule Stralsund gibt es mit dem KarriereStartMentoring ein Angebot für Studentinnen, das ich sehr empfehlen kann. Nutzt solche Möglichkeiten aktiv.

Und vor allem: Lasst euch von Misserfolgen nicht entmutigen. Rückschläge gehören dazu und sagen nichts über euer Potenzial aus. Bleibt dran und traut euch, euren Weg weiterzugehen.

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Wissenschaft erleben: Ferienprogramm für Schülerinnen am 11. Februar

Um Mädchen frühzeitig für Wissenschaft zu begeistern und ihnen konkrete Einblicke zu ermöglichen, lädt die Hochschule Stralsund auch in diesem Jahr am 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft ein. Schülerinnen der Klassenstufen 9 bis 12 haben die Möglichkeit, in praxisnahen Workshops das naturwissenschaftlich-technische Profil der HOST kennenzulernen und Hochschulluft zu schnuppern.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Katja Putzig und Jessica Laufer sowie Prof. Dr. Petra Maier geben Einblicke in ihre Disziplinen, stellen Forschungsfelder vor und laden zum Mitmachen ein. Auf dem Programm stehen unter anderem KI-Anwendungen, die Arbeit mit einem modernen Elektronenmikroskop sowie Metalle mit Formgedächtnis und deren Erforschung.

Anmeldung: per E-Mail an marian.petsch@hochschule-stralsund.de
Anmeldeschluss: 10.02.2026
 

Weiterlesen: Teil 1/3 der Serie