Sichtbarkeit von Role Models: Forscher*innen im Gespräch

Interviews und Ferienangebot für Mädchen zum internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft an der Hochschule Stralsund

Was Schüler*innen für ihre berufliche Zukunft auswählen, hängt von den Möglichkeiten ab, die sie für sich sehen. Die Sichtbarkeit von Role Models - wie weiblichen Forscherinnen - ist damit ein entscheidender Faktor. Anlässlich des Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar haben wir daher eine dreiteilige Mini-Serie gestartet und stellen Professorinnen unserer drei Fakultäten vor - Wie haben sie den Weg in die Wissenschaft gefunden, gab es Widrigkeiten oder ein neues Selbstverständnis?

 

 

Im Gespräch: 

Prof. Dr.-Ing. Jana Wilmers

Fakultät für Maschinenbau, Studiendekanin

 

Seit wann sind Sie an der Hochschule Stralsund tätig und in welcher Funktion?

Seit August 2024 als Professorin für Höhere Technische Mechanik an der Fakultät für Maschinenbau

 

Bildung / akademische Abschlüsse:
2025 Habilitation Werkstoffmechanik, Bergische Universität Wuppertal
2016 Promotion Materialmodellierung und Kontinuumsmechanik, Technische Universität Hamburg
2012 Master Materialwissenschaft, Universität des Saarlandes
2010 Bachelor Chemie mit Materialwissenschaft, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
 

Wann und warum haben Sie sich für den Weg in Forschung und Lehre entschieden?

Das kann ich gar nicht genau sagen, irgendwann im Masterstudium. Da habe ich als HiWi verschiedene numerische Methoden programmiert und schließlich auch auf Forschungsfragestellungen angewandt. Das waren viele Abende am PC, an denen ich mich in Probleme und Lösungsstrategien verbissen habe und mich zum Feierabend schon darauf gefreut habe, am nächsten Tag weiter zu machen. Zum Ende des Studiums war dann klar: "Damit bin ich noch nicht fertig, da will ich weiter basteln" und bisher hält dieses Gefühl an.

Gab es weibliche Vorbilder, die Sie inspiriert haben?

Ich hatte das Glück, auf jedem Schritt meiner akademischen Laufbahn Frauen in den verschiedensten Positionen "sehen" und vor allem auch sprechen zu können. Wobei ich niemanden als konkretes Vorbild, dem ich nacheifern wollte, gesehen habe. Stattdessen ist vermutlich die Vielfalt an Sichtweisen, Ideen und Herangehensweisen, die ich erlebt habe, das was mich am meisten inspiriert hat, meinen Weg zu gehen.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit bis heute am meisten?

Die Freiheit, mich ganz einer Fragestellung oder Aufgabe widmen zu können, die mich interessiert und nicht von außen diktiert wird, ist purer Luxus. Und an der Lösung darf ich dann gemeinsam mit Kolleg*innen aus dem Büro nebenan und der ganzen Welt arbeiten, die ebenso begeistert sind. Dieser Austausch von Ideen, das 'einfach mal machen' und die Tatsache, dass man immer etwas Neues sieht und lernt, machen einfach wahnsinnig Spaß.

Gab es auf Ihrem Weg besondere Herausforderungen – und was hat Ihnen geholfen, damit umzugehen?

Ich glaube, die Herausforderungen, die mir begegnet sind, waren ziemlich universell. Aber in den Ingenieurwissenschaften und vielleicht auch insbesondere in meinem Fachgebiet sind Frauen noch immer in der Minderheit. Das heißt, man fällt auf jeden Fall auf. Wenn man was falsch macht, sieht das jeder, aber, wie eine Kollegin es mal so richtig formuliert hat: Wenn man es gut macht, fällt das eben genauso auf. Am wertvollsten war für mich in solchen Situationen der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die ihre Perspektiven und Erfahrungen geteilt haben. Es hilft, alles, auch sich selbst, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Welchen Rat geben Sie jungen Frauen, die über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenken?

Meine Empfehlung ist, es auf jeden Fall auszuprobieren. Ob einem Forschung Spaß macht, findet man nur so heraus und es ist immer möglich zu sagen "Okay, nee, nichts für mich", also was soll schief gehen? Sucht euch schon während des Studiums Projekte oder Lehrstühle, die euch interessieren, und probiert es aus. Da bietet die HOST wirklich beeindruckend gute Möglichkeiten, mit spannenden Projekten, gut ausgestatteten Laboren und motivierten Mitarbeitenden, die einen begleiten.

Wie jeden anderen Karriereplan muss man auch die Wissenschaft mit etwas Realismus angehen, was die äußeren Bedingungen (hier Befristungen, häufige Umzüge, etc.) betrifft, aber es ist wichtig zu wissen, dass viel mehr möglich ist, als man sich von außen vorstellt oder man auf Anhieb sehen kann. Deshalb: Wissenschaft ist ein Teamsport und im Austausch mit anderen Forschenden ergeben sich immer Möglichkeiten, für Experimente, Auslandsaufenthalte und vieles mehr. Also, probiert euch aus und unterhaltet euch mit den Forschenden vor Ort, gerne auch jederzeit mit mir!
 

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Wissenschaft erleben: Ferienprogramm für Schülerinnen am 11. Februar

Um Mädchen frühzeitig für Wissenschaft zu begeistern und ihnen konkrete Einblicke zu ermöglichen, lädt die Hochschule Stralsund auch in diesem Jahr am 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft ein. Schülerinnen der Klassenstufen 9 bis 12 haben die Möglichkeit, in praxisnahen Workshops das naturwissenschaftlich-technische Profil der HOST kennenzulernen und Hochschulluft zu schnuppern.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Katja Putzig und Jessica Laufer sowie Prof. Dr. Petra Maier geben Einblicke in ihre Disziplinen, stellen Forschungsfelder vor und laden zum Mitmachen ein. Auf dem Programm stehen unter anderem KI-Anwendungen, die Arbeit mit einem modernen Elektronenmikroskop sowie Metalle mit Formgedächtnis und deren Erforschung.

Anmeldung: per E-Mail an marian.petsch@hochschule-stralsund.de
Anmeldeschluss: 10.02.2026
 

Weiterlesen: Teil 1/3 der Serie und Teil 2/3 der Serie