Umwelt und Nachhaltigkeit

Die Hochschule Stralsund befasst sich bereits seit mehreren Jahrzehnten mit den Thema Klimaschutz. Bereits 1995 gründeten wir das Komplexlabor Alternative Energien (KAE), welches 2009 in dem Institut für Regenerative Energien aufging. Hier wird an der Nutzung regenerativer und alternativer Energien geforscht, an deren Umwandlung, Speicherung und Einsatz.

Auch in den Bereichen Tourismus, Produktion und Wirtschaft nehmen wir Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte in den Blick. Sie werden nicht nur innerhalb der Lehre thematisiert, sondern finden auch in der Forschung als Untersuchungsfelder Anwendung. 

Hier bündeln wir Aktuelles und Wissenswertes zum Thema Unwelt und Nachhaltigkeit an der Hochschule Stralsund.

 

Interview: Klimawandel und Energiespeicherproblematik

Interview mit Prof. Dr. Gulden von der Hochschule Stralsund

Der Klimawandel sowie der Umgang mit den Folgen und Auswirkungen sind in den letzten Jahren das vorherrschende Thema des gesellschaftlichen Diskurses geworden. Es kursieren zahlreiche Meinungen, Statistiken, Vorurteile und Mythen rund um das Thema. Nicht erst zuletzt durch die Verabschiedung des Klimapakets der Bundesregierung bestimmt das Thema auch die politische Debatte in Deutschland. Aber auch an deutschen Hochschulen beschäftigen sich Studierende wie Professoren eingehend mit der Thematik und das nicht erst seit gestern. Wir haben uns mit Herrn Prof Dr. Gulden, Leiter des Instituts für Regenerative EnergieSysteme an der Hochschule Stralsund, verabredet, um ein Interview zum Thema Klimawandel und im speziellen der Energiespeicherproblematik zu führen.

HK: Herr Prof. Dr. Gulden, Sie haben eine Professur für Erneuerbaren Energien an der Hochschule Stralsund und sind zudem Leiter des Instituts für Regenerative Energiesysteme. Was genau hat es mit diesem Institut auf sich?

G: Das Institut ist 2009 von Wissenschaftlern der Hochschule Stralsund gegründet worden. Es dient in erster Linie dazu, das gemeinsame Engagement in angewandter Forschung und praxisnaher Lehre auf dem Gebiet der erneuerbaren Energiequellen und Wasserstofftechnologie zu bündeln. Mit dem bereits 1995 gegründeten Komplexlabor Alternative Energien steht dem Institut ein zentrales Forschungslabor zur Verfügung, mitsamt einer Windkraftanlage, einem Elektrolyseur, Brennstoffzellen, Fotovoltaikanlage und vielem mehr. Insbesondere für unsere Studierenden der Studiengänge Regenerative Energien (B.Sc.) und Renewable Energy and E-Mobility (M.Eng.) bieten sich somit optimale Bedingungen.

HK: Das heißt die Hochschule Stralsund befasst sich schon seit geraumer Zeit mit alternativen Energiequellen. Warum aber hat ihr Forschungsbereich erst jetzt das nötige gesellschaftliche und politische Gehör gefunden?

G: Es ist ja nicht so, dass sich die Wissenschaft dem Klimwandel und im speziellen der anthropogenen Klimaveränderung erst in den letzten zwei Jahrzehnten angenommen hat. Der Treibhauseffekt wurde bereits vor knapp 200 Jahren entdeckt. Die Daten, die auf einen menschengemachten Klimawandel hinweisen, sind schon seit Jahrzehnten bekannt. Aber der politische Wille, insbesondere die erneuerbaren Energiequellen in der Breite zu fördern, ist erst seit kurzem präsent. Hinzu kommen die Widerstände der Bürger vor Ort gegen Stromtrassen oder Windparks. Dabei sind die Auswirkungen des Klimawandels auch hier bei uns deutlich spürbar, wie der Dürresommer 2018 eindrucksvoll gezeigt hat.

HK: Da Sie gerade Windkraft ansprechen: Vielerorts gibt es Bedenken, dass der erzeugte Strom unser bestehendes Stromnetz überlastet. Der Wind weht ja manchmal sehr stark und flaut dann komplett ab.

G: Die Bedenken sind nicht berechtigt. Der Ausbau des deutschen Stromnetzes verläuft zwar nicht simultan mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und obwohl es laut Gesetz ein Vorrang für die Einspeisung von Ökostrom gibt, so zeigt sich in der Praxis, dass oftmals Windkraftanlagen abgeschaltet werden, um die Netze nicht zu überlasten. Für diese Überkapazität werden die Stromerzeuger im Moment noch entschädigt. Das Problem hierfür liegt einerseits in den teilweise alten Kohlekraftwerken, die so unflexibel sind, dass sie nicht kurzfristig runtergeregelt werden können. Andererseits in dem schleppenden Ausbau des deutschen Stromnetzes, obwohl es Speichermöglichkeiten gibt, um diese Überkapazitäten zu speichern und nicht verfallen zu lassen.

HK: Welche Speichermöglichkeiten haben wir denn?

G: Heutzutage verfügen wir bereits über verschiedene Speichermöglichkeiten, um einen gewissen Anteil von Produktionsspitzen aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen zu speichern. So kann durch sogenannte Pumpspeicherkraftwerke überschüssige elektrische Energie gespeichert und je nach Bedarf in das Stromnetz eingespeist werden. Auf der anderen Seite gibt es die Batterie als Speichermedium, die heute schon für die Primärregelung genutzt wird. Für die schnelle Speicherung sind Batterien hilfreich, aber für die Langzeitspeicherung ungeeignet. Und da kommt der Wasserstoff als dritte Möglichkeit ins Spiel. Mittels Elektrolyse kann ich Wasserstoff aus Wasser gewinnen und durch den Einsatz einer Brennstoffzelle in Strom und Wärme umwandeln. Dabei entsteht als Abfallprodukt lediglich Wasser. Momentan kostet aber Wasserstoff als Speichermedium für Strom etwa dreimal so viel wie aus fossilen Energieträgern. Was ich damit sagen will ist, dass wir über die Technik für die Speicherung von erneuerbaren Energien verfügen, aber durch die politischen Rahmenbedingungen, die die Erzeugung sowie Speicherung von Strom aus fossilen Energien begünstigen, nicht genügend Anreize haben.

HK: Diese politischen Rahmenbedingungen, von denen Sie gerade sprachen, haben ja jüngst dazu geführt, den Ausbau der Nord Stream 2 Pipeline zu fördern. Wie passt das mit dem Bekenntnis zu erneuerbaren Energien zusammen?

G: Wir sind mit Erdgas schon einmal klimafreundlicher als beim Verbrennen von Erdöl oder Kohle. Darüber hinaus sind z.B. Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD) dynamischer und effizienter als Kohlekraftwerke, da diese einen höheren Wirkungsgrad haben und demnach der CO2 Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde niedriger ist. Vor dem Hintergrund der CO2 Reduktion macht es durchaus Sinn Erdgas zu importieren, um den Energieträger Methan als Brückentechnologie zu nutzen, bevor die deutsche Energieversorgung zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt.

HK: Und was passiert in Zukunft mit Nord Stream 1 und 2? Die Pipelines werden ja dann nicht mehr benötigt und müssten aufwendig recycelt werden, falls das überhaupt funktioniert.

G: Da die Erdgasvorkommen endlich sind, werden in absehbarer Zeit die Erdgasreserven aufgebraucht sein. Zwangsläufig werden auch Länder wie Russland, die zu den größten Erdgasexporteuren gehören, auf erneuerbare Energien umschwenken müssen. Die gewonnene Wind- und Sonnenenergie könnte dann mithilfe von Synthetic Natural Gas (SNG) gespeichert werden und bedarfsweise ins Netz eingespeist werden. Dazu wird Wasserstoff, welcher mithilfe eines Elektrolyseurs erzeugt wird, in Verbindung mit CO2 zu SNG umgewandelt und kann dann mittels den bestehenden Pipelines von Russland nach Europa transportiert werden.

HK: Vielen Dank Herr Prof. Dr. Gulden für das Interview.

Das Interview führten Mitarbeiter der Hochschulkommunikation der Hochschule Stralsund.       

Nachhaltiger Tourismus

Die Idee eines "nachhaltigen Tourismus" verstehen wir an der Hochschule Stralsund als einen weltumspannenden Generationenvertrag der Reiseindustrie, der ethischen Grundsätzen folgt, sozial gerecht, kulturell respektvoll und umweltverträglich ist. Wir unterstützen einen Tourismus, der keinen Schaden verursacht und trotzdem profitabel bleibt. Für eine nachhaltige Entwickung wollen wir deshalb eine ganzheitliche Perspektive einnehmen, um die Balance zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen herzustellen.

Nachhaltigkeit im Tourismus wird besonders wirksam werden, wenn der Erhalt charakteristischer Kulturlandschaften, der Ressourcenschutz oder die soziale Komponente nachhaltiger Entwicklungen gestärkt wird. Das alles gelingt auf Dauer, wenn wir dabei auch Ressourcen anzapfen, die in ihrer Nutzung wachsen: Geist, Freude, Neugier und Intelligenz, denn erfolgreiche Nachhaltigkeit ist eine kollektive Geisteshaltung, die gelebt werden will. Insbesondere für unser Bundesland Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland wird es daher von herausragender Bedeutung sein, diese Verantwortung zu übernehmen und den nachhaltigen Tourismus zu unterstützen.

Konferenz zur gelebten Nachhaltigkeit im Tourismus

 

Wissenschaftler der HOST

Johannes Gulden

 

Unser Experte für ökologische Energie kennt sich mit Windkraft, Geothermie, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse aus. In seinen Kursen kann man alles rund um die Energienutzung der Zukunft studieren. Seit Frühjahr 2019 ist er außerdem Direktor des Instituts für Regenerative EnergieSysteme, einem an die Hochschule angeschlossenen Forschungsinstitut. Hier erforscht Johannes Gulden, wie alternative Energieformen genutzt und gespeichert werden können, so dass sie umweltgerecht und gleichzeitig wirtschaftlich sind.

Der gebürtige Stralsunder ist eng mit Land und Leuten verbunden. Nur wenige hundert Meter von der Hochschule Stralsund geboren, zog er zunächst zum Studium nach Rostock. Noch vor seiner Promotion 2012 am Forschungszentrum „Deutsches Elektronen-Synchrotron“ der Universität Hamburg machte er bereits mit wegweisenden Aktivitäten und Forschungsbeiträgen auf sich aufmerksam. 2012 kam Gulden als Projektmanager für Forschungsanträge an die HOST und wurde 2018 Professor für Erneuerbare Energiesysteme. Johannes Gulden liegt privat das Thema Klimawandel sehr am Herzen. Deswegen engagiert er sich auch für Scientists4Future, die besonders Schüler und junge Erwachsene in ihrem Kampf gegen den Klimawandel unterstützen.

 

 

 

André Grüning

 

Alle sprechen von Künstlicher Intelligenz – André Grüning weiß, wie es geht. Der KI-Spezialist war viele Jahre leitender Dozent am Institut für Informatik der University of Surrey in Großbritannien. Seit 2019 ist er Professor für Mathematik und Künstliche Intelligenz an der HOST und Experte für so genannte gepulste neuronale Netzwerke. Das sind Modelle, die wie das menschliche Gehirn funktionieren. Sie bilden die Grundlage dafür, dass elektronische Geräte intelligente Verknüpfungen herstellen. Diese Künstliche Intelligenz – kurz KI genannt – verbraucht allerdings unglaublich viel Energie. André Grüning will das so nicht hinnehmen. Er forscht deswegen daran, wie Smartphone & Co bei gleicher Leistung weniger Energie verbrauchen.

Auch privat setzt sich Grüning für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Zusammen mit seiner Familie fährt er Fahrrad statt Auto, verzichtet auf Mikrowelle und Fernseher. Denn schließlich kommt es darauf an, tatsächlich weniger Energie zu verbrauchen, anstatt nur von Umweltschutz zu reden. Es fängt beim Einzelnen an.

Scientists4Future an der HOST

Klima-Zukunft mit Wissenschaft


Jeden Freitag gehen Schülerinnen und Schüler zum Klimastreik Fridays for Future auf die Straße. Sie machen sich Sorgen um ihre Zukunft – und sie haben Recht. Deshalb erhalten die jungen Menschen Unterstützung durch Wissenschaftler der Hochschule Stralsund. Zwei unserer Professoren wollen im Kampf gegen den Klimawandel ihr Expertenwissen einbringen und die Dringlichkeit von Maßnahmen auch aus Sicht der Forschung verdeutlichen. Zusammen mit über 26.800 Akademikern aus Europa haben Johannes Gulden und André Grüning die Stellungnahme der Scientists4Future unterzeichnet. Sie erklärt, warum die Wissenschaftler den Protest unterstützen und enthält 25 wichtige Fakten zur Klimakrise, eine Liste von Erstunterzeichner*innen sowie wissenschaftliche Belege. Die beiden Professoren stellen sich nicht nur Schüler*innen für den Unterricht und bei Veranstaltungen, öffentlichen Stellungnahmen und Fakten rund um den Klimawandel als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie vermitteln auch verständlich das Grundlagenwissen, das für unsere Zukunft so wichtig ist.

 

Die Zukunft mitentwickeln an der HOST 


Windkraft, Photovoltaik, Brennstoffzellen – von Anfang an war die Hochschule Stralsund im Zukunftsmodus. Bereits 1995 wurde hier das Komplexlabor Alternative Energien (KAE) eingerichtet, das die gerätetechnische Basis für ambitionierte Forschungsprojekte und studentische Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktor-Arbeiten im Bereich alternativer Energien bietet. Anfang 2009 wurde an der HOST dann das Institut für Regenerative EnergieSysteme gegründet. Es führt fakultätsübergreifend Forschungen für den echten Bedarf und praxisnahe Lehre zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen und Wasserstofftechnologie zusammen. An der HOST wird zu allen zukunftsorientierten Energieformen gelehrt. Für eine klimafreundliche Zukunft ist nachhaltiges Handeln aber auch in der Wirtschaft und in der Produktion nötig. Sowohl an methodischem Grundlagenwissen als auch praktischen Beispielen lernen die Studierenden bei uns, wie umweltfreundlicher Tourismus oder ressourcensparende Herstellungsprozesse in die Tat umgesetzt werden können.