Motivationsschreiben? Was soll das?

08.03.2021

 

Wo liegt eigentlich das Problem, wenn von Studierenden erwartet wird, ein Motivationsschreiben zu verfassen?

Zum Hintergrund: Mir ist (vollkommen anonymisiert) zu Ohren gekommen, dass sich ein Student bei Dekanin WS, Studiendekan WS und den studentischen Gremien (AStA, StuPa) in einer eMail beschwert hat. Anlass der Beschwerde sei meine Entscheidung, von Studierenden das Verfassen eines Papiers zu fordern, in dem sie mir mitteilen, aus welchen Gründen sie an einer Teilnahme an meinem Wahlpflichtfach „Innovatives Management“ interessiert sind. Ich bat die Studierenden, mir dies in einem Umfang von ca. einer Seite (ca. 300 Worte) mitzuteilen. Die Studentinnen und Studenten haben für das Verfassen des Papiers 7 Tage Zeit.

Für meinen Wunsch, ein Motivationsschreiben verfassen zu lassen, gibt es drei Gründe:

  1. Fakt ist, dass sich stets deutlich mehr Studierende in den Kurs eintragen als ich operativ im Hinblick auf die gewählte Didaktik betreuen kann. Das Motivationsschreiben soll mir und den Studierenden helfen, jene Studentinnen und Studenten zu identifizieren, die tatsächlich an einer Teilnahme ernsthaft interessiert sind. Wer ein Motivationsschreiben verfasst, wird - ungeachtet der Qualität des Papiers - ohne Wenn und Aber in den Kurs aufgenommen. Durch die Bestätigung des Interesses wird das inhaltliche Niveau gehoben, da ich von den teilnehmenden Studierenden ein intrinsisch motiviertes Engagement erwarten kann.
  2. Ein weiter Grund für das Schreiben ist die in der Vergangenheit gemachte Erfahrung, dass es regelmäßig vorgekommen ist, dass bereits angemeldete Studierende nie erschienen sind ohne sich abzumelden (so genannte „No Shows“). Dies bringt mein gesamtes didaktisches Konzept, das auf themenspezifische Präsentationen, Interaktion und Diskussionen aufgebaut ist, durcheinander.
  3. Thema des WPF sind innovative Management-Methoden. Insofern handelt es sich bei einem Motivationsschreiben um eine sehr praxisnahe Übung. Fast jedes Unternehmen, das etwas von Personalmanagement versteht, besetzt Stellen mittlerweile auf Grundlage solcher Instrumente. Hier haben unsere Studentinnen und Studenten Gelegenheit, genau das zu tun, was sie zu einem Studium an einer Fachhochschule motiviert haben sollte: praxisrelevante Erfahrungen zu machen.

Dass sich nun jemand an meinen Wunsch nach einem Motivationsschreiben stößt, mag dieser Person zugestanden sein. Als völlig unverständlich und irritierend empfinde ich es, sich bei nahezu sämtlichen Gremien der Fakultät zu beschweren anstatt seine Kritik direkt dort zu äußern, wo die Gründe dafür offensichtlich ausgelöst worden sind - also bei meiner Person. Wir haben an der Hochschule Stralsund einen klar strukturierten Deskalationsplan. Diesen Weg bei Missverständnissen zu gehen wird von der Hochschulleitung empfohlen. Demnach wäre ein erstes Vier-Augen-Gespräch mit dem Dozenten ein guter Weg gewesen. Ein direkter Dialog und eine offene Kommunikation sind der Schlüssel zu einem guten Hochschulklima.

Abgesehen davon, hätte man in der Zeit, in der man sich offiziell beschwert, diese nutzen können, ein solches Motivationsschreiben, das übrigens an vielen Hochschulen mittlerweile Standard ist, verfassen können. Im Netz gibt es unzählige Tipps (siehe z.B. hier auf studis-online), wie man das machen kann. 

PS: Dieser Text hat ca. 470 Worte.

Mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Studium.